ReUse Konferenz in Graz oder warum A+++ nicht immer das Beste ist

Es freut mich besonders, dass mein erster Beitrag im neuen Blog auch gleich die Verbindung zum „alten“ herstellt – das Thema ist ja wie gesagt nach wie vor hochbrisant!

Ich war diese Woche auf der ReUse Konferenz der Zero Waste Akademie (der Arge Abfallvermeidung) in Graz zur Podiumsdiskussion eingeladen. Zum Einstieg wurde ich gefragt, ob ReUse beim Versuch möglichst plastikfrei einzukaufen auch eine Rolle spielt. Ich habe darauf mit Beispielen geantwortet, die zum Teil auch in meinem Buch „Plastikfreie Zone“ bzw. auf www.keinheimfuerplastik.at beschrieben sind.

Vor allem der Umgang mit elektronischen Geräten wie Handys und Computern, liegt mir in diesem Zusammenhang ja sehr am Herzen und mein persönliches Credo „Nie wieder ein neues Handy“ wird immer wieder auf eine harte Probe gestellt, weil diese Dinger bei mir tatsächlich einiges aushalten müssen. Mein aktuelles Modell zeichnet sich gerade dadurch aus, dass es nach mehreren Abstürzen nicht mehr läutet (weil der Lautsprecher offenbar kaputt ist) und gewisse Internetfunktionen nicht mehr funktionieren. Sollte also jemand von Euch ein gebrauchtes und noch funktionstüchtiges Smartphone loswerden wollen, bitte bei mir melden!

Mein Lieblingsbeispiel ist allerdings die Geschichte unseres Geschirrspülers: Nach 13 – jährigem Dauereinsatz schien er vor ca. 2 Jahren langsam aber sicher den Geist aufzugeben. Ich war der Meinung, dass 13 Jahre für so ein Gerät heutzutage ohnehin schon ein beachtliches Alter darstellen und plädierte für ein neues A+++ Gerät, einen „Energiespargeschirrspüler“ also. Peter, mein Mann sah das aufgrund seiner einschlägigen Ausbildung (Elektrotechnik) und einer – jedenfalls für mich – außergewöhnlichen Begabung im Zerlegen, Reparieren und Zusammenbauen von diversen elektrischen und elektronischen Geräten naturgemäß anders. Und tatsächlich: nachdem Peter beim Elektronikteilehändler seiner Wahl einen Schalter um heiße 60 Cent erstanden und ca. eineinhalb Stunden Arbeitszeit investiert hatte, lief unser Geschirrspüler wieder ohne Probleme…..und tut es immer noch! Ich war natürlich froh über dieses supergünstige Reparaturservice,das uns ein optimales Self ReUse ermöglichte. Doch eine noch entscheidendere Komponente dieser Aktion, wurde mir erst bei der ReUse Konferenz so richtig bewusst.

Sepp Eisenriegler, Geschäftsführer des Reparatur- und Servicezentrums R.U.S.Z in Wien, brachte dort in seinem Vortrag folgendes Beispiel:

52% der Umweltbelastung einer Waschmaschine werden durch Herstellung und Transport verursacht – und zwar auch, wenn es sich um ein A+++ Modell handelt. Selbst bei optimaler Nutzung der Energiesparprogramme, ist aus ökologischer Sicht, die Weiterverwendung (oder auch kleinere Reparaturen) eines vorhandenen Geräts also immer die günstigere Variante. Abgesehen von der sich „zufällig“ laufend verschlechternden Reparatur- und Servicefähigkeit von Geräten und sehr ausgefeitlen Marketing – und Werbestrategien stehen der tatsächlichen Umsetzung dieser Erkenntnis aber auch noch perfidere „Phänomene“ wie geplante Obsoleszenz (geplante absichtliche Verringerung der Lebensdauer von Produkten) im Wege! Ohne entsprechende Rahmenbedingungen, kann das System „Misswirtschafskreislauf“ kaum unterbrochen werden. Wir brauchen endlich Vorgaben für Langlebigkeit und Reparaturfreudigkeit von Produkten. Kaufen für die Müllhalde hat keine Zukunft mehr!

Politische Aufgaben sind in diesem Zusammenhang neben der vielzitierten „Bewusstseinsbildung“ (ich würde es in diesem Zusammenhang ja eher Aufklärungsarbeit nennen), vor allem die Schaffung von rechtlichen Rahmenbedingungen, die nachhaltige Produktion, Nutzung von Produkten unterstützen und Reparaturfähigkeit als ein wesentliches Kriterium in der Beurteilung von Energieersparnis und Ressourcenschonung festlegen.

Auch wenn das in einem System, das von Verschwendung lebt, eine ziemliche Challenge sein wird – wir müssen jetzt damit anfangen!

 

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