Ein paar Bemerkungen zum „taktischen“ Wählen und warum Wahlprognosen gefährlich sein können

VDB16-Facebook-Header_Welle2_WahlaufrufIch gehöre zu den Menschen, die ihre Wahlentscheidungen davon abhängig machen, was sie WOLLEN – jedenfalls in Bezug auf das vorhandene Angebot.

Deshalb haben Wahlumfragen und Prognosen mich in Bezug auf meine persönliche Entscheidung nie beeindruckt. Im Gegenteil – ich hatte immer eher schon das Gefühl, dass da mitunter eine gewisse manipulative Komponente mitspielen könnte. In einigen Gesprächen der letzten Tage hat sich diese Vermutung leider unangenehm verhärtet. Die Ergebnisse diverser Umfragen beeinflussen offenbar weitaus mehr Menschen, als ich jemals für möglich gehalten hätte. Immer wieder wurde da die (offenbar von einem gewissen Herrn Menasse in die Welt gesetzte) Theorie vertreten, dass man „wenn man verhindern will, dass Hofer in die Stichwahl kommt“ nun mal Griss wählen müsse, weil Van der Bellen ja sowieso sicher in der Stichwahl sei. Und das von Menschen, die andererseits teilweise ehrliches Interesse an einem Bundespräsidenten Van der Bellen bekundeten.

Das verstehe ich nicht. Oder besser gesagt, ich kann diese Art von Logik nicht nachvollziehen. Denn selbst wenn man davon ausgeht, dass Wahlumfragen so einigermaßen eine Tendenz abbilden, die irgendwas mit der Realität zu tun hat (und auch das kann man nach den Fehlprognosen der letzten Zeit ja wohl sehr berechtigt in Zweifel ziehen!!), müsste einem doch eigentlich auffallen, dass – sollten mehrere Menschen dieser speziellen Logik anheimfallen – am Ende ein gänzlich anderes Ergebnis rauskommen könnte, als man eigentlich selber wollte.

Man muss sich einfach nur mal vorstellen, wie es ausgehen könnte, wenn viele, die eigentlich Van der Bellen wollen und Hofer ganz und gar nicht, aus „taktischen“ Gründen Griss wählen (oder zu bequem sind, zur Wahl zu gehen oder glauben es ist eh nicht notwendig, weil Van der Bellen sowieso in die Stichwahl kommt,…usw.)….gruselig!

Ja, ich werde Van der Bellen wählen!

Weil er für mich politisch und menschlich die einzig tragbare Entscheidung ist. Weil er gerade in Zeiten, wo alles, was ich bisher für unbestritten gehalten habe, in Bedrängnis kommt, der einzige Garant dafür ist, dass zumindest vom „höchsten Amt“ im Staate ein gewisses Korrektiv ausgeht.

Weil ich glaube, dass er dieses Amt intelligent, gelassen, menschlich, respektvoll und humorvoll erfüllen würde. Weil ich der festen Überzeugung bin, dass nicht Befürchtungen, sondern Hoffnungen die Basis von Wahlentscheidungen sein sollten. Weil ich mich nicht davon leiten lassen möchte, was ich NICHT will (das kann ich ja auch nicht wählen), sondern davon was ich WILL!

In diesem Sinne mein finaler Wahlaufruf:

Wer Van der Bellen will, sollte ihn UNBEDINGT morgen auch wählen!

Und wer ihn (noch) nicht will, sollte zumindest nochmal ernsthaft drüber nachdenken…;-)

Ostern 2016 – eine Nachbetrachtung

P1010346Zu Ostern 2016 hat ein Mensch, den ich meinte, ein wenig zu kennen, entschieden, sein Leben freiwillig zu beenden.

Als ich heute, genau drei Wochen später in unseren Garten kam, sind mir die Pfingstrosen aufgefallen, die sie mir vor 3 Jahren als kleine Ableger aus ihrem Garten mitgebracht hat. Sie sind nun schon große Pflanzen und kurz vorm Aufblühen. Fast aufdringlich hab ich diese Knospen empfunden, so kurz vorm Aufbrechen, so ein eindeutiges Hervordrängen des Lebens, so als ob nichts gewesen wäre.

Nach einer Woche hat der Alltag wieder mehr Kraft bekommen, das berühmte „Leben, das weitergeht“ drängt sich wieder in den Vordergrund. Ja, und natürlich ist das auch gut so. Es ist im Moment alles noch etwas langsamer, die Zeit fühlt sich gedehnt an und wertvoller. Ich kenne solche Phasen, aber so intensiv hab ich sie noch nie erlebt.

Die Nähe zu anderen Menschen war so groß in diesen letzten 3 Wochen, das Gefühl, etwas nur gemeinsam tragen zu können und diese wunderschönen Momente der Verbundenheit. Das Gefühl, dass alles stillsteht, die erzwungene Alltagspause, das Nicht-Wahrhaben Wollen, Tränen, Wut, Umarmen…alles wird langsam wieder etwas blasser.

Als ich heute Morgen die Pfingstrosenblüten sah, war das für mich nicht nur ein Symbol des Lebens, es war auch ein Auftrag, mich selbst ernst zu nehmen. Egal wo ich bin, egal wofür ich mich einsetze, dort die Energie hin zu lenken, wo ich spüre, dass es um das Leben von Menschen und ihre Verbindung zum Leben geht.

Die Sinnsuche ist auch nach 3 Wochen ergebnislos. Doch trotz allem und eigentlich unerklärlicherweise ist in mir in dieser Zeit etwas gestärkt worden, was man wohl gemeinhin Hoffnung nennt.