Ostern 2016 – eine Nachbetrachtung

P1010346Zu Ostern 2016 hat ein Mensch, den ich meinte, ein wenig zu kennen, entschieden, sein Leben freiwillig zu beenden.

Als ich heute, genau drei Wochen später in unseren Garten kam, sind mir die Pfingstrosen aufgefallen, die sie mir vor 3 Jahren als kleine Ableger aus ihrem Garten mitgebracht hat. Sie sind nun schon große Pflanzen und kurz vorm Aufblühen. Fast aufdringlich hab ich diese Knospen empfunden, so kurz vorm Aufbrechen, so ein eindeutiges Hervordrängen des Lebens, so als ob nichts gewesen wäre.

Nach einer Woche hat der Alltag wieder mehr Kraft bekommen, das berühmte „Leben, das weitergeht“ drängt sich wieder in den Vordergrund. Ja, und natürlich ist das auch gut so. Es ist im Moment alles noch etwas langsamer, die Zeit fühlt sich gedehnt an und wertvoller. Ich kenne solche Phasen, aber so intensiv hab ich sie noch nie erlebt.

Die Nähe zu anderen Menschen war so groß in diesen letzten 3 Wochen, das Gefühl, etwas nur gemeinsam tragen zu können und diese wunderschönen Momente der Verbundenheit. Das Gefühl, dass alles stillsteht, die erzwungene Alltagspause, das Nicht-Wahrhaben Wollen, Tränen, Wut, Umarmen…alles wird langsam wieder etwas blasser.

Als ich heute Morgen die Pfingstrosenblüten sah, war das für mich nicht nur ein Symbol des Lebens, es war auch ein Auftrag, mich selbst ernst zu nehmen. Egal wo ich bin, egal wofür ich mich einsetze, dort die Energie hin zu lenken, wo ich spüre, dass es um das Leben von Menschen und ihre Verbindung zum Leben geht.

Die Sinnsuche ist auch nach 3 Wochen ergebnislos. Doch trotz allem und eigentlich unerklärlicherweise ist in mir in dieser Zeit etwas gestärkt worden, was man wohl gemeinhin Hoffnung nennt.

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2 Gedanken zu „Ostern 2016 – eine Nachbetrachtung

  1. Leben kann unverhofft enstehen, aber auch verschwinden. Letzteres hat uns der Ostersonntag gelehrt. Das unfassbare Geschehen in seinere Gänze zu erfassen braucht Zeit, die Sinnsuche ebenso, sie scheint ins Leere zu gehen. Aber das konkrete Tun schafft Sinn, stärkt den Zusammenhalt, macht das Leid irgendwie ein Stück erträglicher. Unsere ureigenesten menschlichen Qualitäten beginnen zu strahlen, wir sind füreinander da, schaffen ohne großartige Planung ein Auffangnetz für die Familie, deren Leben weitergeht. Ich bin dankbar für die Erfahrung ein kleiner Teil dieses Netzes sein zu dürfen.

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