100. Deutsche Katholikentage in Leipzig oder „Darf´s ein bisschen weniger sein?“

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Dass die Fotos von meiner Podiumsdiskussion beim 100.ten Deutschen Katholikentag in Leipzig teilweise leicht verschwommen sind, kann man als gutes Zeichen im Sinne des Themas, für das ich eingeladen wurde werten: Suffizienz, bedeutet nämlich ungefähr, die Suche nach dem „Ausreichenden“ (man könnte auch sagen, nach dem „richtigen Maß“).

Und auch wenn mein Handy nach vielen Jahren, einigen gröberen Unfällen (einmal wurde es sogar von einem Auto überfahren…), diversen alltäglichen Unsanftheiten meinerseits und weil es eben einfach keine so gute Kamera hat, nicht sooooo tolle Fotos macht, reicht es eben doch immer noch….zumindest seit mein lieber Mann Peter, die Klingelfunktion durch den Einbau eines neuen Lautsprechers wieder hergestellt hat 😉

Selbst die ausgesprochen sympathische Vertreterin der Firma „Fairphone“ hat mir eindeutig bestätigt, dass die möglichst langjährige Nutzung eines vorhandenen Handys in puncto Nachhaltigkeit unschlagbar ist.

Wolfgang Sachs hat Suffizienz 1993 mit Hilfe der 4 „E“ definiert: Entschleunigung, Entflechtung, Entkommerzialisierung und Entrümpelung. In weiterer Folge ist noch Emanzipation im Sinne von Reduktion von (wirtschaftlichen) Abhängigkeiten dazu gekommen. Besonders gut kann ich mich mit diesem Satz von Wolfgang Sachs identifizieren: „Einer naturverträglichen Gesellschaft kann man in der Tat nur auf zwei Beinen näherkommen: durch eine intelligente Rationalisierung der Mittel wie durch eine kluge Beschränkung der Ziele.“

Darin finde ich mich seit Jahren persönlich sehr stark wieder, egal ob es um Verweigerung von unnötigem Plastikramsch, unser „halbes“ Auto oder mein leicht ramponiertes Handy geht. Allerdings bin ich auch davon überzeugt, dass Politik die Rahmenbedingungen herstellen und entsprechende Strukturen aufbauen muss, die untaugliches, zukunftsvernichtendes und in jeder Hinsicht kostenintensives Verhalten zurückdrängen und das ANDERE ermöglichen, erleichtern und bestärken. Das bedeutet zum Beispiel, dass man Radinfrastruktur und öffentlichen Verkehr ausbauen und attraktiv gestalten muss, BEVOR man Autoverkehr sozial verträglich und politisch überlebbar verteuern und zurückdrängen kann.

Oder – um noch ein praktisches Beispiel aus meinem Leben zu bringen: Dass man „Hygienevorschriften“ abschafft, die es (angeblich) verbieten, selbst mitgebrachte Behälter zum Einkauf von Käse usw. hinter die Feinkosttheke zu bringen. Mich hat das zwar noch nie daran gehindert, mir den Käse in die mitgebrachte Dose „werfen“ zu lassen, während ich diese in der Luft hielt, um keine Keime in die Feinkost einzuschleppen…aber: Es ist definitiv für die Mehrzahl der Menschen nicht erleichternd und bestärkend, für diese Art des nachhaltigen Einkaufens einen derartigen Aktionismus betreiben zu müssen.

Bei der gestrigen Podiumsdiskussion war ich in einer sehr luxuriösen Position: Als einzige Politikerin am Podium, mit noch dazu einiger praktischer Erfahrung in Sachen Suffizienz, vor ca. 300 Menschen, die extra zu diesem Thema gekommen sind und neben einem Kirchenvertreter, der immer wieder die Bedeutung der aktuellen Enzyklika „Laudato si“ für unser tägliches Handeln und die Haltung der Kirche in den Vordergrund stellte, wirken Grüne Forderungen ja teilweise schon geradezu banal! Und sogar mein dezenter Hinweis, dass es „die Politik“ speziell in diesem Zusammenhang nicht gibt, sondern dass man sich – auch in Deutschland – wohl überlegen müsse, welche politische Fraktion am ehesten den Weg in Richtung Suffizienz und Nachhaltigkeit gehen könnte, wurde mit großem Applaus bedacht!

Natürlich ist mir klar, dass das alles „nicht so einfach ist“ – das hört man ja im politischen Umfeld von manchen MitbewerberInnen bei jeder Gelegenheit. Aber im persönlichen wie im politischen Alltag zählt für mich weiterhin jeder kleine (und mutige !!!) Schritt in die richtige Richtung. Und wenn die katholische Kirche dabei Verbündete sein kann und will, dann soll mir das nicht nur Recht sein, dann freue ich mich sogar außerordentlich darüber und hoffe, dass es Vorbildwirkung für all die vielen anderen Kirchen dieser Welt und vor allem für ihre Mitglieder hat!!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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