Vom „Kleinreden und Großreden“

Die letzte Woche war geprägt von einem Thema, mit dem ich mich persönlich seit 2009 auch sehr aktiv beschäftige. In all diesen Jahren wurde ich bei den unzähligen Vorträgen und Lesungen aus meinem Buch „Plastikfreie Zone“ immer wieder gefragt: „Und was tut die Politik?“ – manchmal denke ich, dass diese Fragen, tatsächlich ein entscheidender Faktor dafür waren, dass ich irgendwann zum Entschluss gekommen bin, auch auf politischer Ebene, für meine Überzeugungen eintreten zu wollen.

Mit meinem Antrag zur Reduktion von „Plastikverpackungen“ wollte ich erreichen, dass die steir. Landesregierung zumindest prüft, welche Schritte in der Steiermark noch unternommen werden könnten, um Plastikverpackungen zu reduzieren. Außerdem sollte die Landesregierung den Bund zu schnelleren und konsequenteren Vorgangsweise in Hinblick auf die Vermeidung von Plastikverpackungen und Schadstoffen auffordern. Leider wurde unser Antrag in dieser Form von der Landesregierung nicht angenommen. Da ich das schon vor der Sitzung wusste, war es mir wichtig, wenigstens ein kleines, symbolisches (und praktisches) Zeichen zu setzen. Bis dato sind nämlich im Landtag Plastikbecher bzw. beschichtete Kartonbecher im Einsatz und egal aus welchem Material, sie werden jedenfalls nach Benutzung weggeworfen. Deshalb haben am Ende meiner Rede nun alle Abgeordneten und Regierungsmitglieder ein Glas mit (von meinem Mann eigenhändig!!!) eingravierten Namen geschenkt bekommen. Als kleinen Denkanstoß und weil Verhaltensänderungen einfach immer leichter fallen, wenn sie „positive konnotiert“ sind. Und weil ich halt einfach der Überzeugung bin, dass politisch tätige Menschen eine besondere Vorbildwirkung haben!

Neben der Frage „Was tut die Politik?“, gibt es noch eine zweite sehr häufig gestellte Frage, wenn es um die Vermeidung von Plastikmüll und Ressourcenverschwendung geht: „Was nutzt es schon, wenn „nur“ wir (oder nur Sie, oder nur ganz wenige,…) das machen? Diesmal hat sich diese Frage so geäußert, dass einige der Kommentare auf meine Gläseraktion, sich über die „Unwichtigkeit“ dieser Sache mokiert und sie als sehr wenig relevant erachtet haben. Ich nenne das für mich immer „Kleinreden“. Für manche Menschen scheint es eine beliebte Taktik zu sein, die eigenen möglichen Beiträge zu einer eigentlich gewünschten und unbestreitbar wichtigen Veränderung derartig „ klein zu reden“, dass man erst gar nicht damit anfangen muss. So nach dem Motto: Wenn nicht alle, warum dann ich?  Aus meiner Sicht eine der beliebtesten und auch fatalsten Rechtfertigungen für eigene Untätigkeit.

Auf der anderen Seite herrscht dafür oft das „Großreden“ vor… und zwar in doppeltem Sinne: Einerseits wird von regierenden PolitikerInnen sehr oft, „das, was eh schon passiert“ extrem „groß geredet“, so als könne man praktisch gar nicht „noch mehr“ tun! Andererseits werden aber auch gewisse, aktuelle „Systemrealitäten“ derartig „groß geredet“, dass selbst die politisch Verantwortlichen, am Ende so tun können, als wäre es schier unmöglich irgendetwas daran zu verändern. Diese Art des „Großredens“ hat für mich noch einen zweiten Namen. „Die Ohnmacht der Mächtigen!“

Am Ende sind dann ALLE jedenfalls NICHT SCHULD und können auch leider NICHTS TUN – und so ganz nebenbei fahren dann alle Ohnmächtigen gemeinsam unsere Welt an die Wand – um das mal wieder ein wenig pathetisch auszudrücken.

Dieses „Kleinreden“ und „Großreden“ führt meiner Meinung nach also zu nichts Vernünftigem. Und obwohl ich natürlich auch nicht glaube, dass rund 50 eingesparte Wegwerfbecher pro Landtagssitzung unsere Welt retten werden, halte ich es eben dennoch für wichtig, das zu tun!

Ich glaube prinzipiell, dass es für alle Probleme unserer Zeit, nichts Wichtigeres gib, als sie aktiv anzupacken. Mich dafür einzusetzen, dass unsere Lebensgrundlagen auf diesem wunderschönen Planeten nicht vernichtet werden, ist für mich das Wichtigste überhaupt. Für manche mag das „Kleinreden“ bequemer sein. Ich stehe dazu, dass hier einfach jeder einzelne, kleine Schritt zählt!

 

 

 

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