„Papa, Du musst einfach den Van der Bellen wählen, einfach für mich, weil ich ja noch nicht darf!“

20161202_150300_resizedEigentlich wollte ich heute seit langem einmal noch einen Tag „Ruhe geben“, aber ein  Gespräch, das ich soeben mit einem Bekannten in unserem neuen „Kostnixladen“ geführt habe, hat mich nun doch animiert, auch heute noch einmal zur Wahl von Alexander Van der Bellen aufzurufen! Mein Bekannter war nämlich – zumindest bis vor unserem Gespräch – davon überzeugt, diesmal nicht wählen zu gehen – und das, obwohl seine Familie – unter anderem auch seine leider noch nicht wahlberechtigte Tochter, die ihn  begleitete, massiv auf in einwirken würden, VdB zu wählen. Er glaube nicht, dass man wirklich eine Wahl hätte, es bräuchte eine Revolution „von unten“ und der Bundespräsident könne ja eh nichts tun, das sei „Angstmache“ und solange es allen viel zu gut ginge, würde sich ohnehin nichts ändern….

Mich trifft es immer ganz besonders, wenn gerade Menschen, die  – so wie ich auch –  glauben, dass wir grundlegende Veränderungen in unserem System brauchen (und für so jemand halte ich ihn), ihr Wahlrecht nicht wahrnehmen wollen.

Denn es steht doch einiges auf dem Spiel und wer innerhalb der letzten eineinhalb Jahre ein wenig die Entwicklung unserer Gesellschaft und Politik mitverfolgt  hat, müsste eigentlich spüren, wie stark in dieser kurzen Zeit, viele Errungenschaften und Freiheiten unserer Demokratie jedenfalls schon in Bedrängnis gekommen sind.  Vor allem die immer größere Ungehemmtheit und Verrohung in den Gesprächen, hat mich in letzter Zeit zunehmend irritiert. Ich bin kein ängstlicher Mensch, aber wie stark sich Beschimpfungen, Abwertungen und Ausgrenzungen von sozial schwächeren Menschen in den letzten eineinhalb Jahren etabliert haben und mittlerweile schon fast zum Mainstream gehören, macht mir jedenfalls ernsthaft Sorgen.

Und eine Sichtweise, irritiert mich in diesem Zusammenhang besonders:

„Wir brauchen eh keinen Bundespräsidenten! Es geht doch auch so!“

Das, ist für mich schon ein Ausdruck der demokratiezersetzenden Wirkung, die die FPÖ seit Jahren durch das Sähen von Misstrauen und schüren von Unsicherheit und Ängsten und laufende Diskreditierung unseres demokratischen Systems, befeuert und die in einer Wahlwiederholung gemündet hat, ohne dass auch nur ein einziger Beweis für Manipulation gefunden wurde. Ob man einen Bundespräsidenten braucht oder nicht, steht morgen nämlich NICHT zur Wahl! Das kann man von mir aus gerne in Ruhe später einmal diskutieren.

Morgen wird auf JEDENFALL ein Präsident gewählt! Und auch diejenigen, die meinen wir bräuchten keinen, und auch diejeneigen , die eigentlich „ganz was anderes wollen“ und auch alle, die „beide nicht gut finden“ …..WERDEN EINEN von BEIDEN bekommen!

Auch ich konnte in den letzten Tagen und Wochen keine Konfrontation mehr anhören und der Neuigkeitsgehalt der medialen Ausschlachtung dieser Wahlwiederholung ging auch aus meiner Sicht immer mehr gegen Null. Aber nichts desto trotz steht meiner Meinung nach morgen eine Richtungsentscheidung an!  Ich empfinde die Richtung, die Norbert  Hofer und VertreterInnen der FPÖ seit Jahren einschlagen als spaltend, Demokratie zersetzend und vielfach menschenverachtend.

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass alle, die Extremismus jeglicher Art ablehnen und denen eine friedvolle, gerechtere, menschenwürdige, von Respekt getragene Weiterentwicklung unserer Demokratie wichtig ist, sich morgen aufraffen und Alexander Van der Bellen wählen sollten oder wie es die Tochter meines Bekannten ausdrückte: „Papa, Du musst einfach den Van der Bellen wählen, einfach für mich, weil ich ja noch nicht darf!“

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