Nicht nur für die Umwelt sprechen – für Menschen, Lebensraum und Zukunft Handeln!

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Seit dieser Woche habe ich mit Lara Köck nicht nur eine neue, junge Kollegin im Grünen Landtagsklub, sondern ich habe auch selbst eine neue Rolle von unserer ehemaligen Abgeordneten Sabine Jungwirth übernommen: Ich bin nun Umweltsprecherin.

Es entspricht meiner großen und seit der Kindheit bestehenden Leidenschaft, dieses Thema immer im unmittelbaren Zusammenhang mit Menschen zu betrachten. Mir hat der Begriff „Umwelt“ schon als Jugendliche nicht besonders gut gefallen, weil er suggeriert, es wäre „irgendwo um uns herum“ etwas, was wir schützen müssen, was mit uns direkt aber nicht viel zu tun hat. In Diskussionen wird daher „Umweltschutz“ auch immer sehr gerne gegen so genannte „andere Interessen“ ausgespielt – Wirtschaftswachstum, Arbeitsplätze, Mobilität, erneuerbare Energien, leistbares Wohnen…usw. wird dafür instrumentalisiert.

Und so funktioniert das meiner Meinung nach nicht: Wir leben nicht in einer UMWELT, wir leben mitten drin! Es ist unser Lebensraum – und nebenbei auch noch der Lebensraum von unzähligen anderen Lebenswesen – den wir als Basis für alles andere brauchen, ohne den alles andere nicht funktionieren kann! Und es ist weltweit, aber natürlich auch in Österreich und in der Steiermark so, dass dort, wo Lebensräume zerstört werden oder ihre Qualität immer schlechter wird, Menschen an Lebensqualität, Gesundheit und Perspektive verlieren. Und ungerechter Weise trifft das immer und überall am aller härtesten diejenigen, die sozial und ökonomisch eher schlechter gestellt sind, die keine Lobby haben und die sich meist eher weniger wehren können. Das erhöht nicht nur die gesellschaftliche Ungleichheit und Ungerechtigkeit und schadet damit dem sozialen Zusammenhalt. Das schadet uns auch als Gesellschaft insgesamt, erhöht die Kosten im Gesundheits – und Sozialsystem und trägt dazu bei, dass Menschen ihrerseits die Empathie für ihren Lebensraum, für andere Menschen und Lebewesen verlieren.

Der weltweite Raubbau an allem, was dieser Planet zu bieten hat, treibt nicht nur aktuell Millionen von Menschen auf die Flucht, er droht auch uns allen – egal wo wir leben – die Zukunft zu rauben. Daher war Umweltpolitik noch nie so sehr wie jetzt auch Sozialpolitik! Insofern trifft es sich gut, dass ich auch Sozialsprecherin bin. Ich kann gar nicht anders, als diese Themen gemeinsam zu betrachten.

Allerdings: Es war noch nie meine Art, nur über Dinge zu reden – meine Motivation, Politik zu machen, kommt eben gerade daher, dass mir das Reden oft viel zu lang und das Handeln viel zu langsam erscheint!

Und natürlich bin ich davon überzeugt, dass ich als Politikerin eine besondere Verantwortung habe, auch selbst entsprechend zu handeln. Am Freitag habe ich mit meiner Kollegin auf Bundeebene, Umweltsprecherin Christiane Brunner daher der heurigen Flurreinigung ein wenig vorgreifen. Wir haben an der Straße, die zu meinem Haus führt auf einer Strecke von knapp 300 Metern in nicht einmal einer halben Stunde 20 Plastikflaschen, 18 Alu-Dosen, 3 Einwegglasflaschen und jede Menge anderen Müll gefunden. Nun ist es zwar super und wichtig, dass sich jedes Jahr 1000de von Menschen an den Flurreinigungen beteiligen und den Dreck von anderen Menschen zusammensammeln. Politisches Handeln heißt aber, hier den Ursachen auf den Grund zu gehen und daran etwas zu verändern. Daher treten wir unter anderem für ein Pfandsystem für Getränkeverpackungen ein, das es in vielen anderen Ländern bereits gibt. Christiane Brunner hat dazu gerade einen Antrag eingebracht. Es würde helfen, dieses Problem zu verändern, davon bin ich überzeugt! Es wäre gut für die Menschen, gut für die Lebensräume, gut für andere Lebewesen (auch Tiere sterben ja oft an den Folgen unseres in der Natur entsorgten Mülls!) – und es ist natürlich eine Frage des politischen Willens, ob man es macht oder nicht!

In der Steiermark sind wir auf Landesebene (noch) nicht in der Position unseren politischen Willen, stärker durchzusetzen. Aber mein erklärtes Ziel ist es dorthin zu kommen! Ich möchte dazu beitragen, dass wir vom Reden zum Handeln kommen, dass wir unsere Lebensbedingungen so gestalten, dass auch unsere Kinder ein gutes Leben führen können.

Das können wir nur erreichen, wenn wir viele Menschen über alle gesellschaftlichen und sonstigen Grenzen hinweg davon überzeugen, dass es möglich ist, die Rahmenbedingungen zum Nutzen für uns alle zu verändern.

Nach mehr als eineinhalb Jahren in der Landespolitik, habe ich diesbezüglich natürlich auch schon frustrierende Erlebnisse gehabt, aber es gibt immer wieder auch ganz viel Freude und Hoffnung: Vorletzte Woche hatte mich die katholische Männerbewegung Gnas zu einer Lesung und Diskussion aus meinem Buch „Plastikfreie Zone“ eingeladen. Mit mehr als 120 Menschen habe ich im Pfarrsaal in Gnas über die Möglichkeiten der Einzelnen und der Politik gesprochen, Ressourcen zu schonen und (Plastik) Müll zu vermeiden, neue Wirtschaftsideen und Initiativen zu fördern,…. Da war so viel Engagement, Begeisterung und der Wille zum Handeln spürbar. Da gab es so viel positives Feedback und so viel Aufbruchsstimmung – und da konnte ich wieder ganz viel Kraft für mein politisches Handeln tanken!

Danke dafür! Ich freu mich riesig auf meine neue Aufgabe.

„Der Frauentag bedeutet mir eigentlich nichts…“

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…sagt im heutigen Ö1 Morgenjournal eine der bekanntesten österreichischen Feministinnen und Autorinnen, Christine Nöstlinger. Im anschließenden Interview zählt sie nur einen Bruchteil der vielen bekannten Tatsachen auf, in denen sich die Benachteiligung von Frauen in Österreich auch im Jahr 2017 noch immer manifestiert: Österreich liegt bei den Gehaltsunterschieden zwischen Männern und Frauen mittlerweile EU-weit auf dem unrühmlichen vorletzten Platz (immerhin noch vor Estland), Alleinerzieherinnen gehören zu den am meisten von Armut gefährdeten Gruppen, Kinderbetreuung ist in vielen Bereichen immer noch absolut unzureichend und die Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit nach wie vor skandalös! Frauen führen, vor allem was die unbezahlte Arbeit anbelangt, nach wie vor ein gesellschaftliches Schattendasein, tragen einen großen Teil der (sozialen) Gesamtlast und haben genau deshalb oftmals auch noch sehr viele persönliche Nachteile zu tragen!

Soviel – so unerfreulich!

Erfreulich ist, dass es gerade im politischen Kontext, jede Menge Hebel gibt, die man betätigen kann (leider oft nur könnte), um die Situation zu verbessern. Hier ein ganz konkretes Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit:

Ich hatte im Rahmen meiner Hospitationen, die ich nun seit über einem Jahr in verschiedenen Sozialeinrichtungen der Steiermark durchführe, vor einer Woche Gelegenheit der Frauensprechstunde in der Marienambulanz beizuwohnen. Ein zutiefst beeindruckendes Team von teilweise ehrenamtlichen ÄrztInnen, Hebammen, SozialarbeiterInnen, …usw., kümmert sich hier um die Gesundheitsversorgung von Frauen, die entweder keine Versicherung haben oder aus sonstigen sozioökonomischen Gründen nicht in Arztpraxen versorgt werden. Ein extrem problematischer Bereich ist für viele dieser Frauen das Thema Verhütung.

Der erschütterndste Fall an diesem Vormittag war für mich eine junge syrische Frau mit 19 Jahren, 2 Kindern im Alter von eineinhalb Jahren und 8 Monaten, bei der in der Untersuchung bereits die dritte Schwangerschaft festgestellt wurde. Die behandelnde Frauenärztin und die Hebamme erklärten mir anschließend, dass für viele dieser Frauen die einzige Chance, ungewollte Schwangerschaften zu verhindern, ein extrem niederschwelliger und kostenloser Zugang zu Verhütungsmitteln wäre. Und zwar egal, woher sie kommen! Das ist aber natürlich eine Finanzierungsfrage.

Ich habe erst vor kurzem im Landtag einen Antrag auf „kostenlose Verhütungsmittel für junge Menschen“ eingebracht. Inhaltlich wurde mir von der Regierung zwar Recht gegeben, aus Kostengründen wurde der Antrag dennoch abgelehnt.

Insofern verstehe ich Christine Nöstlinger sehr gut, denn es ist die Aufgabe von ehrlicher Frauenpolitik, nicht nur am Frauentag, große Töne zu spucken (und schon gar nicht nur zu bejammern, was ist), sondern jeden Tag, bei jeder politischen Entscheidung, tatsächlich Maßnahmen zu treffen, die die Ungerechtigkeiten mindern!

Frauen sind diejenigen, die von ungewollten Schwangerschaften immer noch in erster Linie betroffen sind, Frauen sind ökonomisch in allen Bereichen nach wie vor massiv benachteiligt und Maßnahmen, die genau dazu beitragen würden, einen Teil dieser Benachteiligung zu beheben, will man sich dann einfach nicht leisten?  Das geht nicht!! Auch die Frauen der Regierungsfraktionen, setzen hier bis jetzt leider kein gegenteiliges Zeichen. Über riesige Millionenbeträge wird (mehrheitlich von Männern! – siehe Verteilung im steir. Landtag, Gemeinderäten usw.) oft ganz locker entschieden. Wenn es um relativ kleine Beträge geht, die in erster Linie Frauen nutzen würden, ist der „Sparstift“ ganz schnell gezückt – leider zu teuer!

Dass der Frauentag Christine Nöstlinger „eigentlich nichts bedeutet“ wird wohl auch daran liegen, dass sie über viele Jahrzehnte immer wieder solche Beispiele erlebt hat. Doch sie endete heute in ihrem Interview ja auch mit dem Wunsch, dass Frauen gefördert werden mögen (und zwar auch  und im Besonderen von Männern, weil genau die ja im Moment immer noch sehr viel häufiger dort sitzen, wo es Kapazitäten zum Fördern gibt!)

Für mich persönlich ist der Frauentag ein Auftrag, mich weiterhin mit all meinen Möglichkeiten dafür einzusetzen, nicht nachzugeben, die Forderungen immer wieder zu erheben, Frauen und Männer dafür zu gewinnen und davon zu überzeugen, dass eine gerechte Verteilung uns allen nutzt! Solange bis der Frauentag, der Tag echter Gleichstellung auf allen Ebenen ist – dann kann man ihn auch gerne umbenennen…