Die größte Sicherheitskrise unserer Zeit

Unsere beiden jüngeren Kinder haben es unlängst bei einer morgendlichen Diskussion auf den Punkt gebracht: „Unsere Zukunft ist nicht mehr sicher!“ Und sie hatten auch gleich Verantwortliche parat: „Eure Generation hat das zu verantworten –Ihr habt den Klimawandel erzeugt!“

Beinahe täglich wird zurzeit über die Folgen der größten Sicherheitskrise unserer Zeit berichtet. Denn was unter dem verharmlosenden Titel „Klimawandel“ läuft und teilweise sogar als solcher auch von manch österreichischen PolitikerInnen immer noch verleugnet wird, ist eine veritable Krise, deren Auswirklungen allerdings nicht „das Klima“ sondern, das Leben und die Menschen schon im Moment hart treffen – und vielen Menschen das Leben kosten. Denn Naturkatastrophen, die bei uns im besten Fall „nur“ Schäden in Millionenhöhe verursachen, führen anderswo dazu, dass unzählige Menschen sterben oder flüchten müssen.

Auch wenn die Folgen der Klimakrise andere Kontinente im Moment noch weitaus härter treffen, Menschen ihrer Lebensgrundlagen berauben, in die Flucht treiben und für soziale Verwerfungen und Kriege mitverantwortlich sind: Dieser Sommer hat auch in Österreich auf teilweise katastrophale Weise gezeigt, was droht, wenn die momentane Entwicklung nicht aufgehalten wird.

Und dabei geht es nicht mehr „nur“ um Kosten für Hochwasserschutz und darum, dass man bei den Hitzewellen in Österreich nun schon mit dem Zählen nicht mehr nach kommt. Laut neuesten WHO Studien ist die Klimakrise die größte Gefahr für die Gesundheit der Menschen. Die Studie zeigt, dass bis Ende des Jahrhunderts pro Jahr ca 150 000 Menschen bei Wetterextremen ums Leben kommen könnten….die meisten Menschen werden an Hitze sterben

50mal soviele Menschen wie heute werden ums Leben kommen.

Und während wir all das wissen und nahezu schon täglich – wahrscheinlich vergleichsweise noch recht harmlosen Vorgeschmack bekommen, was uns blüht, wenn wir die Klimakrise nicht ab sofort mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpfen, wollen uns diverse „Sicherheitspolitiker“ in Österreich noch immer weismachen, „unserer Sicherheit“ könnte durch Abschottung Europas und ohnehin völlig unrealistische Meeresroutenschließungen gesichert werden – ansonsten: Business as usual !

Dieses Verständnis von Sicherheit mag wohl populär sein (manche sagen auch radikal –pragmatisch dazu, was immer das heißen mag…), aber ehrlich ist es ganz sicher nicht. Wenn wir die größte Sicherheitskrise unserer Zeit einigermaßen heil überwinden wollen, wird uns Abschottung nicht nützen und gibt es kein „Weiter wie bisher!“ Es muss sich ganz schnell, ganz viel ändern. Und das beschränkt sich nicht auf eigentliche Selbstverständlichkeiten wie die Abschaffung des Dieselprivilegs in Österreich und den Ausbau und die Attraktivierung des öffentlichen Verkehrs. Es muss vor allem endlich Schluss sein mit jeglicher Art von Verschwendung, egal ob das den Boden, Strom, natürliche Gewässer, Lebensmittel, Wegwerfkonsum von Elektronik und sonstigen Gebrauchsgegenständen…und vieles mehr anbelangt! Der Ausbau von erneuerbaren Energien alleine, wird niemals reichen, wenn wir diesen Verschwendungswahnsinn nicht beenden. Es wäre Aufgabe einer verantwortungsvollen (Sicherheits – ) Politik, die Rahmenbedingungen dafür sicherzustellen. Auch wenn sich das nicht immer so populär anhört! Es ist Zeit, dass diejenigen, die uns „Sicherheit“ verkaufen wollen, aufhören, sich in fragwürdiger Symptombekämpfung gegenseitig übertrumpfen zu wollen, sondern endlich erkennen, dass WIR so nicht weitermachen können – und das auch aussprechen und entsprechend gegensteuern!

Sonst werden unsere Kinder eines Tages mit Recht sagen: „Ihr seid schuld daran, dass wir keine Zukunft mehr haben!“ – und das wird dann mit Sicherheit noch das kleinste Problem sein!

Doch da ich mit derartig düsteren Visionen nicht enden will, nehme ich gerade jetzt alles, was ich geschrieben habe auch als Auftrag an mich selbst. Denn ich bin vor etwas mehr als 2 Jahren letztlich in die Politik gegangen, um meinen Beitrag zu leisten, ein System, an das ich nicht glaube, zu verändern. Und egal wie schwierig die Zeiten dafür auch im Moment sein mögen: Ich sehe mein Mandat immer noch als ganz klaren Auftrag, mich für diese Veränderungen einzusetzen! Und obwohl ich in den letzten 2 Jahren durchaus einiges an Illusionen eingebüßt habe, glaube ich noch immer daran, dass ein System ohne sinnlose Verschwendung, Raubbau an natürlichen Ressourcen, Zerstörung von Lebensräumen und Ausbeutung von Menschen möglich ist!

 

 

 

 

 

 

Wann ist genug…

 

….mit der Bewilligung von Projekten, die minimalste Strommengen erzeugen, dafür aber natürliche Flusslandschaften und Artenvielfalt sehr stark beeinträchtigen und teilweise unwiderruflich kaputt machen?

Vor einigen Tagen konnte ich mir selbst ein – erschütterndes – Bild von einer der betroffenen Flussstrecken machen, die eigentlich eher eine „Bächleinstrecke“ ist. Bilder sprechen ja bekanntlich mehr als 1000 Worte:

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An der Schwarzen Lafnitz in der Oststeiermark nahe der burgenländischen Grenze, kämpfen Anrainer nämlich seit Jahren um den Erhalt ihres Naturschatzes – vor einigen Wochen sind nun jeglicher Vernunft und gesundem Menschenverstand zum Trotz hier die Bagger aufgefahren!

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Im Mai 2015 wurde das Bächlein im Regionalprogramm zum Schutz von Gewässerstrecken auch als „ökologische Vorrangstrecke“ festgelegt. Allerdings wurden dann im letzten Moment noch „laufende Verfahren“ ausgenommen. Die Wasserwirtschaftsabteilung des Landes hatte sich deutlich gegen das Projekt ausgesprochen, der Verwalter des öffentlichen Wassergutes (man beachte den Ausdruck. „ÖFFENTLICHES WASSERGUT!!!) hat seine Zustimmung zum Projekt verweigert! Also derjenige, der für uns alle auf unser wertvolles Gut „Wasser“ aufpasst und hier öffentlichen Grund für das Kraftwerk hergeben hätte sollen, hatte „NEIN“ gesagt!!

Daraufhin wurden von der Abt. 13 („Umwelt und Raumordnung“) Zwangsrechte gegen den Bund (also uns alle!!) als Grundeigentümer eingeräumt – das heißt eine Enteignung eingeleitet, die nun kürzlich vom Bundesverwaltungsgerichtshof bestätigt wurde.

Das alles, obwohl schützenswerte Arten (Apollofalter, Steinkrebs) rund um das geplante Kraftwerk gefunden wurden, es mehrere ältere Kraftwerke gegeben hätte, die revitalisiert werden hätten können und dieses Bächlein, sage und schreibe Strom für rund 500 Haushalte liefern würde…vielleicht – zumindest nach Angaben der Projektbetreiber, je nach Wassermenge usw.

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Unter dem Deckmantel des „Klimaschutzes“ wird zurzeit unter Federführung des Umweltlandesrates in der Steiermark einfach alles genehmigt, was irgendein Investor bauen will, auch wenn jeder weiß, dass diese Minikraftwerke und überhaupt der weitere planlose Ausbau von Wasserkraft unser Klima niemals retten werden! Bei einem derzeitigen Zuwachs des jährlichen Stromverbrauchs Österreichs von ca. 2% pro Jahr müsste man trotz eines Totalausbaus der Fließgewässer in spätestens vier bis fünf Jahren neue Alternativen finden. Unsere Flüsse wären dann allerdings allesamt verbaut. Das wird unser Klima ganz bestimmt nicht retten – das ist Raubbau an unserer Zukunft!

 Als ich vor einigen Tagen in der Schwarzen Lafnitz gestanden bin, an einer Stelle, die nun bald zerstört sein wird, war ich den Tränen nahe, aber gleichzeitig den Menschen, die sich hier seit Jahren für den Erhalt dieser Schönheit eingesetzt haben, auch unglaublich dankbar. Letztlich waren es Menschen wie diese und Orte wie dieser, die mich dazu bewegt haben, in die Politik zu gehen.

Und um diversen Kommentaren gleich vorzubeugen:

Nein, ich glaube nicht, dass der Strom aus der Steckdose kommt! Aber ich glaube, dass wir es niemals schaffen werden, unsere Lebensgrundlagen zu erhalten (und damit uns selbst!!), wenn wir nicht endlich alles daransetzten, vernünftig Energie und Ressourcen einzusparen, Arbeitsplätze zu schaffen, die wirklich Zukunft haben und Rahmenbedingungen für einen Lebensstil zu etablieren, der auch für unsere Kinder noch was von dieser wunderschönen Welt übrig lässt! Und das schaffen wir ganz, ganz sicher nicht, indem wir auch noch die letzten kleinen Bächlein zubauen und für immer kaputt machen, nur, weil Investoren sich davon gutes Geld versprechen!

Und noch ein interessantes Detail zur Wasserkraftwerksdebatte: Seit 2007 wurden in der Steiermark insgesamt 193 Wasserkraftanlagen bewilligt und nur 3 – 4 davon führten zu Diskussionen und Widerstand! Und dabei ging bzw. geht es teilweise einfach um die letzten freien, unglaublich schönen Fließstrecken Österreichs, die teilweise offiziell als „Flussheiligtümer“ ausgewiesen wurden!

Auch wenn Politikverdrossenheit und durchaus bedenkliche Strömungen in der Politik im Moment im Aufwind sind, motiviert es mich unglaublich, dass ich mich als Umweltsprecherin für den Erhalt dieser letzten naturnahen Fließstrecken, der Arten, die dort leben, der Ökosysteme, die es zu bewahren gilt und der Erholungsräume, die wir uns einfach nicht künstlich schaffen können, einzusetzen. Und das werde ich auch weiterhin intensiv und hoffentlich mit viel Unterstützung engagierter Menschen tun!