Bienen, Schmetterlinge und andere lautlos Sterbende

20170712_124937_resizedGerade bei Themen wie diesen hören wir Grüne ja oft spöttische Bemerkungen wie: gibt´s nichts Wichtigeres, habt Ihr keine anderen Sorgen?

Aber ist das schweigende Sterben der Insekten wirklich so ein „Orchideenthema“? Ist es egal, wenn´s irgendwann keine Insekten mehr gibt? Dann vielleicht keine Vögle mehr? Wenn Bienen und Schmetterlinge keine Pflanzen mehr bestäuben, weil es sie nicht mehr gibt? Wenn letztlich eine Ökokatastrophe langsam, schleichend und still über uns hinwegzieht, bis auch uns klar wird, dass es zu spät ist…?

Es stimmt, aussterbende Insekten machen wenig Lärm, sie taugen nicht für Katastrophenszenarien oder als „Angstmacher“. Sie sind quasi nicht wirklich „medientauglich“ und sie verschwinden langsam, still und unbemerkt…Wenn man sich allerdings ansieht, welche Konsequenz ihr Aussterben haben könnte, sind sie durchaus auch eine Überlebensfrage für die Menschheit… obwohl man natürlich auch das – wenn man sich das Universum als Maß nimmt – durchaus als Orchideenthema sehen könnte…

Bei diesem Thema, so wie bei vielen anderen auch: Wir wissen eigentlich alles – wir wissen, warum es Probleme gibt, warum Bienen und Schmetterlinge und viele andere Insektenarten immer mehr dezimiert werden: übermäßiger Einsatz von Pestiziden (durch Studien eindeutig belegt!) schwächen Bienen (und alle Insekten) und machen sie anfälliger für Parasiten und Krankheiten, maßloser Flächenverbrauch, Bodenversiegelung, intensiv bewirtschaftete Monokulturen, Verbauung von Flusslandschaften….lauter Dinge, die auch sonst für viel Schlechtes bewirken – fürs Klima zum Beispiel, für unsere Gesundheit, eigentlich für fast alles!!!!

Wir müssen uns in diesem Zusammenhang nur allzu oft vorwerfen lassen, dass wir ständig irgendetwas verbieten wollen – aber ich will einfach nicht tatenlos zusehen, wie Gifte, maßloses Zubetonieren, Verbauen und Versiegeln unserer Böden,….etc. zuerst den Pflanzen und Tieren und dann letztlich uns selbst die Lebensgrundlage rauben und kein Überleben mehr ermöglicht – da lass ich mir lieber vorwerfen, dass ich diesen schleichenden Selbstmord auf Raten verbieten möchte!!

Ganz konkret haben wir in diesem Zusammenhang, eine Verringerung von Pestiziden gefordert! Die zuständigen Regierungsmitglieder von SPÖ und ÖVP haben in der heutigen Landtagssitzung wieder versucht, darzustellen, dass eh alles passt, weil sie eh schon so viel tun….aber dass die bisher getroffenen Maßnahmen nicht ausreichen, sieht man an den Fakten ja ganz deutlich – nämlich daran, dass die Bienen, Schmetterlinge und sonstige Arten, weiter massenhaft sterben. Eine aktuelle Studie in einem deutschen NATURSCHUTZGEBIET hat gerade erst ergeben, dass heute dort 76% weniger Insekten als 1989 gefunden wurden – und ein Zoolge des österreichischen Umweltbundesamts hat gerade erst festgestellt, dass diese Ergebnisse durchaus auf Österreich übertragbar sind.

Ich kann abschließend nur sagen – ich denke, die Verantwortlichen von SPÖ und ÖVP wüssten genau, was zu tun wäre. Es wird ja zur Zeit so gerne über den Schutz unserer Heimat geredet – also reden wir auch in diesem Zusammenhang mal darüber: ja, sie gehört geschützt – und gewisse, schädliche, zerstörende und letztlich tödliche Faktoren müssen aus diesem Grund einfach verboten werden – aber eben DAMIT etwas Neues und Besseres endlich MEHR Platz hat! Alles andere ist fahrlässig, nicht nur den Insekten, sondern vor allem auch uns selbst gegenüber!

Für uns bedeutet das, dass wir schon demnächst wieder einen neuen Anlauf machen werden, wenigstens die wichtigsten nächsten Schritte in dieser Sache, so schnell wie möglich zur Umsetzung zu bringen.

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Das glückliche Schweinderl von nebenan….

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…….gibt´s leider (fast) nie. Auch wenn´s auf diesem Foto vom Vorzeige – Biobetrieb Labonco so selbstverständlich wirkt….

Normalerweise sieht es in Österreich diesbezüglich nämlich ganz anders aus. Dazu ein kurzer Ausschnitt aus dem heute veröffentlichten Bericht des Vereins „Land schafft Leben“:

„Die Schweine in konventioneller Haltung stehen auf Vollspaltböden aus Beton ohne Einstreu und haben nie Auslauf. Laut Gesetz müssen jedem Tier 0,7 Quadratmeter zur Verfügung stehen. „Eigentlich sollen sie sich nicht viel beschäftigen, sondern wachsen“, meint auch eine Züchterin in einem Video auf der Plattform. Fünf Tage vor und vier Wochen nach der Geburt sind konventionelle Zuchtsauen derzeit noch im Kastenstand fixiert. Das soll erst ab 2033 verboten sein.“

Im selben Bericht heißt es:

„Viele heimische Schweinebauern haben übrigens in den vergangenen Jahren die Produktion aufgegeben. Im Jahr 2000 gab es mit knapp 64.000 Schweinebauern noch mehr als doppelt so viele wie heute mit knapp 31.000, dafür hält ein einzelner Landwirt 2017 dreimal so viele Tiere wie damals.“

Es hilft vielen Bauern also offenbar nicht zu „überleben“, wenn sie konventionelle Massenschweinemast betreiben und Billigstpreise dafür bekommen, es macht nur das Tierleid noch größer….

NUR 2,2 % des Schweinefleischkonsums werden in Österreich durch Biofleisch gedeckt, jahr(zehnte)langen Grünen Forderungen nach besserer Unterstützung und Aufwertung von Biolandwirtschaft und Artgerechter Tierhaltung folgen regelmäßig Lippenbekenntnisse ohne konkrete Maßnahmen, gleichzeitig werden Klimawandel und ständig steigende Zahl von übergewichtigen Kindern und Erwachsenen (beides durch den exorbitanten Fleischkonsum in den Industriestaaten und speziell in Österreich jedenfalls befeuert!) bejammert – am heftigsten oft noch von jenen, die eigentlich die politische Verantwortung und Macht hätten, etwas dagegen zu tun!

Natürlich: auch jede(r) Einzelne kann durch Verweigerung oder zumindest Reduktion dieser Art des Konsums etwas beitragen.

Doch die Rahmenbedingungen, die all den Wahnsinn, in Sachen Tierleid, Klimazerstörung, Gesundheitsgefährdung, Ressourcenverschwendung, … erst ermöglichen, werden immer noch von den jeweils regierenden PolitikerInnen gemacht! Wir Grüne werden diese Rahmenbedingungen weiterhin bekämpfen und uns für die besseren Alternativen stark machen – allerdings:

Damit sich hier wirklich etwas zum Positiven verändern kann, braucht es jedenfalls wieder mehr Menschen, die das auch wollen und wählen – was ja jetzt gerade nicht passiert ist!

Und mit Veränderung meine ich echte Veränderungen, nicht nur auf Plakate geschriebene Floskeln. Und auch, dass „es Zeit ist“ meine ich ernst und zwar höchste Zeit! Dafür, dass weniger Tiere qualvoll und unwürdig dahinsiechen müssen, dass weniger Fleisch, aber wenn, in besserer Qualität gegessen wird, dass LandwirtInnen wieder von artgerechter Tierhaltung leben können, die Zerstörung von Regenwäldern für den Anbau von Mastfuttermitteln reduziert wird, CO2 – Emissionen verringert werden, weniger Lebensräume zerstört werden, weniger Menschen flüchten müssen…..

Ja, die im Normalfall leider unglückliche Schweine von nebenan haben mit all dem zu tun –  auch wenn das allgemein gerne ausgeblendet wird. Und dass Tierleid mit allen oben genannten Folgen in diesem Ausmaß in Kauf genommen wird, ist in erster Linie ein Maß für Verrohung und Empathielosigkeit unserer Gesellschaft und unseres Wirtschaftssystems – und den entsprechenden Veränderungsbedarf.

Nach dem Ausgang dieser Wahl ist nun in dieser Hinsicht leider wohl eher weniger zu erwarten – zumindest nicht zum Besseren…

Für mich ist es daher im Moment sehr wichtig, neue Wege auszuloten, wie wir als Grüne gemeinsam mit vielen engagierten Menschen aus der Zivilgesellschaft, komplexe Probleme und Zusammenhänge, vor allem aber unsere Ideen und Visionen dazu – künftige besser erklären, selbst glaubwürdig leben und letztlich Begeisterung dafür wecken können, echte Veränderung, voranzutreiben. Dafür können die glücklichen Schweinderl vom Foto durchaus ein Symbol sein…