Ein Jahr wie noch nie und der große Auftrag, für Lösungen zu kämpfen

Heute vor einem Jahr war wirklich ALLES anders. Um diese Uhrzeit wussten wir schon, dass nach einer großartigen EU Wahl und einem sensationellen Wiedereinzug in den Nationalrat auch in der Steiermark der größte bisherige Wahlerfolg gelungen war. Große Aufbruchsstimmung und Freude, riesige Motivation, in doppelter Stärke für Klimaschutz und eine lebenswerte Gestaltung unserer Zukunft in der Steiermark weiterzukämpfen. Die Fotos von damals wirken wie aus einer völlig anderen Zeit, Umarmungen, Freudentränen, Tanzen, 100de Leute eng beieinander…und eine Energie, die uns alle verbunden hat. Dann kam Corona – und nach einer sehr kurzen Zeit, wo manche glaubten, es wäre schnell alles wieder beim Alten, kam auch die Klarheit, dass eine echte Krise unser Leben in all seinen Facetten komplett verändert, radikal, schnell und in gewisser Weise unerbittlich. Man spürt, dass es nur gemeinsam gelingen kann, diese Krise zu überwinden – auch wenn diese Gemeinsamkeit leider mit zunehmender Dauer immer mehr Risse zu bekommen scheint. Doch meine Überzeugung, dass es unser Auftrag in der Politik, in der Gesellschaft und in unserem privaten Umfeld ist, gemeinsam zu Lösungen der wirklich größten Krise unserer Zeit beizutragen, ist dadurch nur noch stärker geworden. Um diese Krise zu überwinden, braucht es mehr als nur eine Impfung. Dafür braucht es die Energie und das Engagement von Menschen, die an eine Veränderung glauben. Die überzeugt sind, dass wir eine krisensichere, klimaschonende Wirtschaft schaffen können, dass wir die nötige Umsteuerung sozial gerecht gestalten können, dass es eine gute Zukunft für alle Menschen in diesem Land geben kann. Dafür braucht es Grüne Politik auf allen Ebenen – von der EU bis in den letzten Winkel der kleinsten steirischen Gemeinden. Dafür braucht es uns alle! Fast alle unserer Initiativen, vor allem alle im Klimaschutz, aber auch im Pflege- und Sozialbereich wurden bisher wieder von der Landesregierung abgelehnt oder nicht behandelt. Doch Politik ist nun mal das Bohren harter Bretter und genau das werden wir auch weiterhin tun! Denn dafür haben wir vor genau einem Jahr, den klaren Auftrag bekommen. Danke!

Verantwortung übernehmen

Die gestrige Entscheidung der Bundesregierung, erneut mit sehr einschneidenden Maßnahmen gegen eine ungebremste Ausbreitung der Pandemie mit allen ihren Folgen vorzugehen, ist genauso notwendig, wie sie nachvollziehbarer Weise für viele Menschen belastend ist. Aber es geht eben um eine Abwägung: Alles, was uns lieb und teuer ist – „das Gesundheitssytem“, „unsere Freiheit“, „die Wirtschaft“, „die Kultur“, „das Schulsystem“…. hängt letztlich davon ab, dass wir ein gesundes, selbstbestimmtes Leben führen, unserer Arbeit nachgehen und mit anderen Menschen in Kontakt treten können. All das wäre durch eine nicht mehr eingrenzbare Ausbreitung dieses Virus in Gefahr – und zwar weitaus dauerhafter und viel massiver als durch die jetzigen Einschränkungen.

Es geht also nicht „nur“ um unser Gesundheitssytem, sondern um unser gesamtes gesellschaftliches Gefüge. Denn letztlich wären sämtliche Bereiche unseres Lebens betroffen, wenn Menschen nicht mehr die notwendige medizinische Versorgung bekommen können. Wenn ÄrztInnen und Pflegende entscheiden müssen, wer behandelt werden kann und wer nicht mehr. Wenn die Sicherheit verloren geht, dass jedem Menschen geholfen wird, der Hilfe braucht. Das gilt es zu verhindern. Denn das ist nicht mehr nur eine Frage des Gesundheitssystems. Das ist eine Frage des Menschseins und der Menschenwürde.

Um sie zu wahren, brauchen wir Menschen, die in der Politik Verantwortung übernehmen. Auch für Entscheidungen, die unangenehm sind und angegriffen werden, für Fehler, die unweigerlich passieren, dafür, dass man zum jetzigen Zeitpunkt so handeln muss, wie es aktuelle Fakten und Prognosen erfordern – auch auf die Gefahr hin, dass man im Nachhinein möglicherweise eines Besseren belehrt werden könnte. Dafür braucht es aber auch jeden einzelnen Menschen, der Verantwortung übernimmt. Verantwortung für etwas, was in der Zukunft liegt, was möglicherweise nie eintreten wird, was wir aber alle gemeinsam jedenfalls nur verhindern können, wenn wir jetzt geschlossen und solidarisch handeln. Und das ist im Übrigen die für mich deutlichste Verbindung der Krisen unserer Zeit, der Klima – und Umweltkrise und der Coronakrise: Wir müssen jetzt etwas tun, obwohl wir die Auswirkungen unseres Handelns oder nicht Handelns erst im Nachhinein sehen können – wenn auch in sehr unterschiedlichen Zeitdimensionen. In der ersten Welle hat es in Österreich funktioniert. Wir hatten im Gegensatz zu vielen anderen nie die dramatische Situation, Menschenleben gegeneinander abwägen zu müssen. Auch wenn das folgende „Präventivparadoxon“ möglicherweise mit ein Grund dafür war, dass viele im Sommer dachten: „Es ist eh vorbei!“ Aber so ist das nun mal: Vorsorge und vorausschauende Verantwortung führen im besten Fall eben dazu, dass es nicht so schlimm kommt, wie es kommen hätte können. Genau dort müssen wir wieder hin. Wenn am Schluss dann ein paar übrig bleiben, die meinen, es wäre alles übertrieben gewesen, dann werden wir das gut aushalten können. Diese Krisen stellt vieles in Frage: unsere Unverwundbarkeit, unsere Gewohnheiten, unseren Lebensstil, unsere Werte, unseren Umgang mit Wissenschaft, unseren Umgang mit Fehlern, unsere Solidarität. Sie ist definitiv eine riesige Herausforderung und sie wird es aufgrund der immensen sozialen und wirtschaftlichen Folgen auch noch lange bleiben. Sie zwingt uns, Verantwortung weit über unsere ganz persönlichen Interessen hinaus zu übernehmen. Das ist mühsam, das ist anstrengend, das können sicher auch nicht alle, im selben Ausmaß leisten. PolitikerInnen aller Fraktionen sind aber jedenfalls aufgerufen, darin Vorbilder zu sein. Denn genau damit können wir jetzt Leben retten und Perspektiven für die Überwindung dieser (und auch anderer) Krise(n) aufzeigen!