Auf der falschen Spur oder warum der Weg in die Zukunft nicht über die Steinzeit führt

Wissenschaftliche Erkenntnisse rund um die Erderhitzung und ihre Folgen für die Menschen in den politischen Diskurs zu bringen und sie als Basis für politische Entscheidungen zu verankern, war und ist entscheidend dafür, ob wir in Hinblick auf die Klimakrise noch „die Kurve kratzen“ werden.

Mit der Grünen Regierungsbeteiligung auf Bundesebene und dem entsprechenden Regierungsprogramm haben diese wissenschaftlichen Erkenntnisse nun endlich auch Eingang in das konkrete politische Handeln gefunden. In den letzten eineinhalb Jahren wurde daher trotz Pandemie mehr für den Klimaschutz erreicht als in den 30 Jahren davor.

Wenn Kanzler Kurz nun angesichts der Evaluierung eines Straßenbauprojekts in Vorarlberg (S18) ankündigt, er werde jedenfalls dafür sorgen, dass es gebaut würde, weil er ja „auf der Seite der Menschen stehe“ und die Klimakrise ohnehin „technisch lösbar“ sei, wirkt das nicht nur angesichts der dramatischen Extremwetterereignisse der letzten Wochen, als wäre er irgendwo auf die falsche Spur abgebogen: Nämlich genau dorthin, wo er seinen eigenen Aussagen zufolge ja gerade nicht hin will – in Richtung Steinzeit!

Also, was jetzt? Steinzeit oder Zukunft? Wissenschaft oder Fake News?

Wir haben in Österreich (wie man erst unlängst in der am Schauplatz Reportage „Alles Beton“ erfahren konnte) bereits jetzt pro Kopf doppelt! so viele Straßenkilometer wie in Deutschland oder der Schweiz. Den Menschen einreden zu wollen, es hätte irgendwas mit „Verzicht“ zu tun, wenn es nicht noch drei – oder viermal so viele werden, ist ein dermaßen plumper Manipulationsversuch, dass man eigentlich lauthals darüber lachen müsste. Wenn es nicht gleichzeitig auch so traurig wäre, dass er von einem relativ (zumindest in Jahren) jungem Kanzler ausgeht, dessen Generation schon mit den Folgen der Erderhitzung groß geworden und definitiv die letzte ist, die ihr noch Einhalt gebieten kann.

Wer heute noch glaubt, man könne durch Autobahnbauen und Zubetonieren, Mobilität, Arbeitsplätze oder gar unseren Wohlstand sichern, ist jedenfalls eindeutig auf der falschen Spur unterwegs. Irgendwo muss man endlich anfangen, mit der grenzenlosen Verschwendung der überlebensnotwendigen Bodenressourcen aufzuhören. Irgendwann müssen wir beginnen, lebendigen Boden als einen wesentlichen Faktor in der Bekämpfung der Klimakrise zu akzeptieren (Stichwort: CO2 Senken!), ohne den wir eine bilanzielle Klimaneutralität niemals in der gebotenen Zeit erreichen werden. Irgendwann müssen wir endlich respektieren, dass lebendiger Boden und gesunde, artenreiche Ökosysteme die Basis unserer Ernährungssicherheit und damit ein wesentlicher Sicherheitsfaktor für das Leben unsere Kinder und Kindeskinder sind.

Dieses „irgendwann“ ist JETZT! Und es ist ein wissenschaftlich felsenfest untermauertes JETZT!

Wer „an der Seite der Menschen“ stehen will, sollte fähige sein zu erkennen, welcher Weg uns Richtung Steinzeit führt (oder Richtung „Betonzeit“?)

Die Aussagen von Kanzler Kurz sind von allen hierzulande renommierten, führenden Klimaforscher*innen entschieden und mit dem Verweis auf sämtliche relevanten nationalen und internationalen Studienergebnisse zurückgewiesen worden. Die Wissenschaft ist sich völlig einig, dass die Klimakrise mit technischen Lösungen alleine nicht bewältigbar ist, sondern dass wir zusätzlich soziale Innovation und tiefgreifende Veränderung der politischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen brauchen.

An der Seite der Menschen ist kein Platz für dumpf – durchschaubare Manipulationsversuche und Fakten-befreiten Behauptungen. Wer an der Seite der Menschen stehen will, sollte die wissenschaftlich belegten, notwendigen Veränderungen mit aller Kraft, Vorbildwirkung und Optimismus vorantreiben, anstatt die ohnehin schon knappe Zeit zu verschwenden.

4 Gedanken zu „Auf der falschen Spur oder warum der Weg in die Zukunft nicht über die Steinzeit führt

  1. „Wer an der Seite der Menschen stehen will, sollte die wissenschaftlich belegten, notwendigen Veränderungen mit aller Kraft, Vorbildwirkung und Optimismus vorantreiben, anstatt die ohnehin schon knappe Zeit zu verschwenden.“ Naja, das mag ja auf manche Menschen zutreffen, aber auf unseren BK????

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  2. „Wer an der Seite der Menschen stehen will, sollte die wissenschaftlich belegten, notwendigen Veränderungen mit aller Kraft, Vorbildwirkung und Optimismus vorantreiben, anstatt die ohnehin schon knappe Zeit zu verschwenden.“ Naja, das mag ja auf manche Menschen zutreffen, aber auf unseren BK????

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  3. Sehr gut!
    Wenn wir nicht all unser Hirnschmalz einsetzen zum Wohl von uns selbst und unseren Nachkommen und auch entsprechend Verzicht üben, stolpern wir unwillkürlich in die Steinzeit.
    Erich Fried:
    „Die Zeit der Steine. Die Zeit der Pflanzen. Dann kam die Zeit der Tiere. Dann kam die Zeit der Menschen. Nun kommt die Zeit der Steine. Wer die Steine reden hört weiß, es werden nur Steine bleiben. Wer die Menschen reden hört weiß, es werden nur Steine bleiben.“
    Bedauerlich! Ich bin leider nicht sehr optimistisch — aber ich weiß, dass die Menschheit auch noch nie so gescheit war wie jetzt…
    Liebe Grüße
    Harald Schimek

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