Müllsammeln bis in alle Ewigkeit oder warum wir das System des Verschwendens beenden müssen

Der Süden Italiens ist für müllvermeidenden Menschen definitiv eine Herausforderung. Ich war heuer im Urlaub erstmals in dieser Gegend und hatte in jeder Hinsicht zutiefst beeindruckende Erlebnisse.

Die atemberaubende Schönheit der apulischen Küste, die faszinierenden Bergdörfer der Basilikata und die enorme Vielfalt und Meeresschutzgebiete der Küste Kampaniens machen mich ehrfürchtig und wecken angesichts der vielfältigen Bedrohungen all dieser Schönheit auch starke Beschützerinstinkte in mir. Spätestens südlich von Ancona beginnen nämlich vorerst die Straßenränder zunehmend zu Müllhalden zu werden, je weiter in den Süden, desto schlimmer. Und der Müll beschränkt sich naturgemäß nicht auf diese – ohnehin nicht sehr attraktiven – Orte.

Der Kontrast zwischen der einzigartigen Schönheit der Natur und der zerstörerischen und verunstaltenden Wirkung der menschlichen „Zivilisation“ ist mir noch selten so dramatisch erschienen, wie an den Stränden Süditaliens. Ein Großteil des Litterings betrifft, wie auch in Österreich Getränkeverpackungen und Verpackungen von Lebensmitteln.

Das Problem mit dem Müll beginnt dort, wo er erzeugt wird….

Meine hilflosen Versuche, wenigstens kleiner Bereiche von Müll zu befreien, endeten irgendwann mit der bitteren Erkenntnis, dass selbst die 60 Millionen Einwohner*innen Italiens bis in alle Ewigkeit Müll einsammeln müssten, um dies Unmengen wieder einzusammeln. Aber das ist natürlich njur das Ende der Geschichte. Der Anfang spielt sich in den Bars und Restaurants Süditaliens ab, wo es außer Bier und Kaffee ausnahmslos alle Getränke nur in Einweg Plastik oder Aluverpackungen gibt, zu denen dann – wenn man sich nicht rechtzeitig mit Händen und Füßen wehrt – auch noch extra Einwegplastikbecher serviert werden. Versuche von Mülltrennung gibt es zwar, doch bei genauerer Betrachtung schaut eigentlich von Glas bis Papier und Biomüll alles gleich aus, nämlich „indifferenziata“ (Restmüll!).

….aber das können wir verändern

Im Gegensatz zu Kroatien, wo vor mehr als 10 Jahren ein Pfandsystem auf Getränkeverpackungen eingeführt wurde und auch Mehrwegangebote zumindest bei Bier und Mineralwasser bestehen, habe ich im Süden Italiens nichts dergleichen gefunden. Auch das Getränkeflaschen aus Glas sind ausnahmslos Einwegprodukte. Vor allem der Tourismus (wie viele Touristen pro Jahr?) heizt das Ganze natürlich noch gewaltig an.

Die Verschwendung von Ressourcen bei gleichzeitiger Zerstörung der Natur scheint buchstäblich uferlos! Ich fühlte mich in diesem Urlaub sehr oft an den Urlaub 2009 auf Istrien erinnert, als unsere damals noch kleinen Kinder mich ständig fragten, wer für den vielen Müll an den Stränden und im Meer verantwortlich ist. Meine ehrliche Antwort von damals müsste ich heute wiederholen: verantwortlich dafür ist, dass wir ein System der Verschwendung aufgebaut haben. Damals habe ich mit meiner Familie begonnen, kein Einwegplastik mehr zu kaufen, es schlicht und einfach zu verweigern (wozu der Film Plastic Planet von Werner Boote den endgültigen Anlass gegeben hat!). Heute, fast 12 Jahre später, kann ich sagen, dass mich die Erfahrungen, die wir mit dieser „Verweigerung des Verschwendens“ gemacht haben, letztlich in die Politik gebracht haben!

Die systematischen Entscheidungen gegen das System der Verschwendung muss die Politik treffen

Denn dort müssen endlich klare Entscheidungen fallen um das „System der Verschwendung“ zu beenden – und zwar auf eine Art und Weise, die allen Menschen ermöglicht, mit dabei zu sein.

Für Österreich bedeutet das neben der schon beschlossenen und extrem wichtigen Einführung einer Mehrwegquote für Getränkeverpackungen, endlich auch ein Pfandystem für alle Einweggebinde! Die Grüne Klimaministerin hat ganz konkrete Vorschläge dazu. Die Menschen in Österreich sind in überwältigender Mehrheit bereit dazu. Die Getränkeindustrie ist bereit. Die Blockade geht nur mehr von der Wirtschaftskammer, Teilen des Handels und der ÖVP aus.

Diese Blockade muss beendet werden, denn sowohl der Klimaschutz als auch der sinnvolle Umgang mit Ressourcen, als auch der Schutz der Meere, Seen, Berge… unserer wichtigsten Lebens – und Erholungsräume erfordert, dass wir den Wandel von der Verschwendungswirtschaft zu einer zukunftsfähigen Kreislaufwirtschaft endlich vollziehen.

Dafür werde ich weiter mit ganzer Kraft und allen politischen Mitteln eintreten. Mit all der Kraft, die ich auch heuer im Sommer wieder am Meer und durch die vielen Begegnungen mit großartigen, engagierten Menschen gesammelt habe.