2 Jahre im steirischen Landtag oder Warum Politik Spaß macht…

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Man könnte sagen, „Es war eine anstrengende Woche“ (obwohl heute erst Freitag ist und gestern sogar Feiertag war..)

Ich war am Montag und Dienstag jeweils von ca. 8 bis 23 bzw. 24 Uhr auf „Tour“ in den Bezirken Leibnitz und Hartberg unterwegs. In der vorigen Woche hatte ich das selbe schon in Weiz. Ich möchte mich in den Regionen der Steiermark als neue Umweltsprecherin vorstellen und dabei auch gleich über eines meiner Herzensthemen „Ressourcenschonung und (Plastik)Müllvermeidung“ mit den Leuten reden.

Zuerst ein Pressegespräch, dann Besuch von 3 Betrieben oder Institutionen in der Region, die wichtige Aspekte eines nachhaltigen Wirtschaftens bereits umsetzen und am Abend dann noch mein Vortrag „Sei dabei – Plastikfrei!“ – dazwischen Telefonate, Mails beantworten, Termine ausmachen, Anträge für die nächste Landtagssitzung durchlesen und bearbeiten, den Kindern Anweisungen fürs Mittagessen und Einkaufen geben und ein paar hilflose Versuche, meinen geduldigen BegleiterInnen den Weg anzusagen…  🙂

Am Mittwoch dann von 9 bis 13 Uhr die Präsentation des neuen regionalen Gesundheitsplanes, ein Coachinggespräch, ein Vorbereitungstreffen mit meinen 2 Grünen GemeinderatskollegInnen zur nächsten Gemeindersatssitzung und dann noch eine Veranstaltung in Graz zum Thema „Welche Wirtschaft(sgeschichten) wollen wir künftig (erzählen)?“. Das „Zwischenduchprogramm“ gleich wie an den Vortagen…_DSC5676

 

Es waren also schon anstrengende Tage…. aber auch unglaublich bereichernd, interessant und motivierend. Ich konnte 6 sehr unterschiedliche Betriebe bzw. Einrichtungen, sowie 3 Redaktionen von Wochenzeitungen besuchen, ich habe irrsinnig spannende und erkenntnisreiche Gespräche geführt und dabei auch sehr viel Bestätigung für meine politischen Anliegen und Forderungen mitnehmen können. Es ist mir extrem wichtig im direkten Kontakt mit Menschen immer wieder rückzukoppeln, wie Rahmenbedingungen, die politisch vorgegeben werden, in der Realität ankommen und wirken, welche Vorteile, aber auch welche Probleme dadurch entstehen.

Ich sehe es als einen essentiellen Teil meiner politischen Tätigkeit, diese Beziehung zwischen Politik und den Lebensrealitäten von Menschen direkt zu erfahren. So wie ich das auch schon bei meinen Hospitationen im Sozial – und Gesundheitsbereich in den letzten 1einhalb Jahren immer wieder erleben durfte – es ist für mich eine Kraftquelle für die „Mühlen der Politik“! Und ja, es macht Spaß und ist eine wunderbare Erfahrung, dass ich das alles im Moment beruflich machen kann! …Auch wenn es mir manchmal schon ein bisschen leid tut, dass sich mein erlernter Beruf (Physiotherapie) zur Zeit nur mehr ganz wenige Stunden in der Woche ausgeht.

Heute genau vor 2 Jahren wurde ich als Abgeordnete des steirischen Landtags angelobt. Und nun ist es wirklich einmal Zeit für ein großes „zwischendurch Danke“, an alle, die mir diese großartige Chance ermöglicht haben und ermöglichen. Allen voran gilt es natürlich meinem Mann und meinen Kindern, die mich seit 2 Jahren wirklich viel seltener seh, vieles übernommen haben, eine unglaubliche Geduld mit mir haben und mein aller wichtigster Rückhalt sind! Und natürlich den Wählerinnen und Wählern, die den Grünen (und viele auch mir persönlich) bei der letzten Wahl Ihre Stimme und damit einen Vertrauensvorschuss gegeben haben. Danke auch an all meine FreundInnen, die enorm viel von den „Hochs und Tiefs“ des politischen Alltags mit mir durchmachen und bewältigen!

Aber ganz besonders möchte ich mich heute auch bei allen MitarbeiterInnen im Landtagsklub und in der Landespartei bedanken, die mich von Beginn an mit vollem Einsatz unterstützt haben und ohne die diese sehr intensive Arbeit für mich definitiv nicht möglich wäre. Und da ich nun mal eine Teamplayerin bin, möchte ich den heutigen Tag auch nutzen, um meinem Kollegen und Klubobmann Lambert Schönleitner für seine großartige Unterstützung, die intensiven und ehrlichen Diskussionen und den Zusammenhalt im Klub, sowie meiner neuen Kollegin Lara Köck für den frischen Wind und die Bereitschaft, sich auf das Abenteuer Politik einzulassen, zu danken! Und natürlich den vielen anderen Kolleginnen in der Grünen Welt – allen voran NAbg. Sozialsprecherin Judith Schwentner – die mich durch ihr Engagement und Vorbild, immer wieder davon überzeugen, dass es Sinn macht, sich für die Dinge einzusetzen, an die ich glaube.

Ich werde immer wieder gefragt, ob ich es nicht schon bereut habe, dass ich vor 2 Jahren diesen Schritt gemacht habe. Und natürlich gab es in diesen 2 Jahren auch immer wieder mal Momente, wo es sich ein wenig so angefühlt hat..… Aber Dank Euch allen und Dank der vielen Menschen, von denen ich immer wieder höre, dass ich Ihnen Hoffnung mache oder sie motiviere, kann ich heute wirklich resümieren:

Politik macht mir Spaß (jedenfalls sehr oft!) – und solange das so ist, werde ich mich weiterhin nach bestem Wissen und Gewissen und auf meine ganz persönliche Art und Weise auf dieser Ebene für gerechtere Verteilung und die Erhaltung unserer Lebensgrundlagen einsetzen.

DANKE!

Nicht nur für die Umwelt sprechen – für Menschen, Lebensraum und Zukunft Handeln!

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Seit dieser Woche habe ich mit Lara Köck nicht nur eine neue, junge Kollegin im Grünen Landtagsklub, sondern ich habe auch selbst eine neue Rolle von unserer ehemaligen Abgeordneten Sabine Jungwirth übernommen: Ich bin nun Umweltsprecherin.

Es entspricht meiner großen und seit der Kindheit bestehenden Leidenschaft, dieses Thema immer im unmittelbaren Zusammenhang mit Menschen zu betrachten. Mir hat der Begriff „Umwelt“ schon als Jugendliche nicht besonders gut gefallen, weil er suggeriert, es wäre „irgendwo um uns herum“ etwas, was wir schützen müssen, was mit uns direkt aber nicht viel zu tun hat. In Diskussionen wird daher „Umweltschutz“ auch immer sehr gerne gegen so genannte „andere Interessen“ ausgespielt – Wirtschaftswachstum, Arbeitsplätze, Mobilität, erneuerbare Energien, leistbares Wohnen…usw. wird dafür instrumentalisiert.

Und so funktioniert das meiner Meinung nach nicht: Wir leben nicht in einer UMWELT, wir leben mitten drin! Es ist unser Lebensraum – und nebenbei auch noch der Lebensraum von unzähligen anderen Lebenswesen – den wir als Basis für alles andere brauchen, ohne den alles andere nicht funktionieren kann! Und es ist weltweit, aber natürlich auch in Österreich und in der Steiermark so, dass dort, wo Lebensräume zerstört werden oder ihre Qualität immer schlechter wird, Menschen an Lebensqualität, Gesundheit und Perspektive verlieren. Und ungerechter Weise trifft das immer und überall am aller härtesten diejenigen, die sozial und ökonomisch eher schlechter gestellt sind, die keine Lobby haben und die sich meist eher weniger wehren können. Das erhöht nicht nur die gesellschaftliche Ungleichheit und Ungerechtigkeit und schadet damit dem sozialen Zusammenhalt. Das schadet uns auch als Gesellschaft insgesamt, erhöht die Kosten im Gesundheits – und Sozialsystem und trägt dazu bei, dass Menschen ihrerseits die Empathie für ihren Lebensraum, für andere Menschen und Lebewesen verlieren.

Der weltweite Raubbau an allem, was dieser Planet zu bieten hat, treibt nicht nur aktuell Millionen von Menschen auf die Flucht, er droht auch uns allen – egal wo wir leben – die Zukunft zu rauben. Daher war Umweltpolitik noch nie so sehr wie jetzt auch Sozialpolitik! Insofern trifft es sich gut, dass ich auch Sozialsprecherin bin. Ich kann gar nicht anders, als diese Themen gemeinsam zu betrachten.

Allerdings: Es war noch nie meine Art, nur über Dinge zu reden – meine Motivation, Politik zu machen, kommt eben gerade daher, dass mir das Reden oft viel zu lang und das Handeln viel zu langsam erscheint!

Und natürlich bin ich davon überzeugt, dass ich als Politikerin eine besondere Verantwortung habe, auch selbst entsprechend zu handeln. Am Freitag habe ich mit meiner Kollegin auf Bundeebene, Umweltsprecherin Christiane Brunner daher der heurigen Flurreinigung ein wenig vorgreifen. Wir haben an der Straße, die zu meinem Haus führt auf einer Strecke von knapp 300 Metern in nicht einmal einer halben Stunde 20 Plastikflaschen, 18 Alu-Dosen, 3 Einwegglasflaschen und jede Menge anderen Müll gefunden. Nun ist es zwar super und wichtig, dass sich jedes Jahr 1000de von Menschen an den Flurreinigungen beteiligen und den Dreck von anderen Menschen zusammensammeln. Politisches Handeln heißt aber, hier den Ursachen auf den Grund zu gehen und daran etwas zu verändern. Daher treten wir unter anderem für ein Pfandsystem für Getränkeverpackungen ein, das es in vielen anderen Ländern bereits gibt. Christiane Brunner hat dazu gerade einen Antrag eingebracht. Es würde helfen, dieses Problem zu verändern, davon bin ich überzeugt! Es wäre gut für die Menschen, gut für die Lebensräume, gut für andere Lebewesen (auch Tiere sterben ja oft an den Folgen unseres in der Natur entsorgten Mülls!) – und es ist natürlich eine Frage des politischen Willens, ob man es macht oder nicht!

In der Steiermark sind wir auf Landesebene (noch) nicht in der Position unseren politischen Willen, stärker durchzusetzen. Aber mein erklärtes Ziel ist es dorthin zu kommen! Ich möchte dazu beitragen, dass wir vom Reden zum Handeln kommen, dass wir unsere Lebensbedingungen so gestalten, dass auch unsere Kinder ein gutes Leben führen können.

Das können wir nur erreichen, wenn wir viele Menschen über alle gesellschaftlichen und sonstigen Grenzen hinweg davon überzeugen, dass es möglich ist, die Rahmenbedingungen zum Nutzen für uns alle zu verändern.

Nach mehr als eineinhalb Jahren in der Landespolitik, habe ich diesbezüglich natürlich auch schon frustrierende Erlebnisse gehabt, aber es gibt immer wieder auch ganz viel Freude und Hoffnung: Vorletzte Woche hatte mich die katholische Männerbewegung Gnas zu einer Lesung und Diskussion aus meinem Buch „Plastikfreie Zone“ eingeladen. Mit mehr als 120 Menschen habe ich im Pfarrsaal in Gnas über die Möglichkeiten der Einzelnen und der Politik gesprochen, Ressourcen zu schonen und (Plastik) Müll zu vermeiden, neue Wirtschaftsideen und Initiativen zu fördern,…. Da war so viel Engagement, Begeisterung und der Wille zum Handeln spürbar. Da gab es so viel positives Feedback und so viel Aufbruchsstimmung – und da konnte ich wieder ganz viel Kraft für mein politisches Handeln tanken!

Danke dafür! Ich freu mich riesig auf meine neue Aufgabe.

„Der Frauentag bedeutet mir eigentlich nichts…“

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…sagt im heutigen Ö1 Morgenjournal eine der bekanntesten österreichischen Feministinnen und Autorinnen, Christine Nöstlinger. Im anschließenden Interview zählt sie nur einen Bruchteil der vielen bekannten Tatsachen auf, in denen sich die Benachteiligung von Frauen in Österreich auch im Jahr 2017 noch immer manifestiert: Österreich liegt bei den Gehaltsunterschieden zwischen Männern und Frauen mittlerweile EU-weit auf dem unrühmlichen vorletzten Platz (immerhin noch vor Estland), Alleinerzieherinnen gehören zu den am meisten von Armut gefährdeten Gruppen, Kinderbetreuung ist in vielen Bereichen immer noch absolut unzureichend und die Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit nach wie vor skandalös! Frauen führen, vor allem was die unbezahlte Arbeit anbelangt, nach wie vor ein gesellschaftliches Schattendasein, tragen einen großen Teil der (sozialen) Gesamtlast und haben genau deshalb oftmals auch noch sehr viele persönliche Nachteile zu tragen!

Soviel – so unerfreulich!

Erfreulich ist, dass es gerade im politischen Kontext, jede Menge Hebel gibt, die man betätigen kann (leider oft nur könnte), um die Situation zu verbessern. Hier ein ganz konkretes Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit:

Ich hatte im Rahmen meiner Hospitationen, die ich nun seit über einem Jahr in verschiedenen Sozialeinrichtungen der Steiermark durchführe, vor einer Woche Gelegenheit der Frauensprechstunde in der Marienambulanz beizuwohnen. Ein zutiefst beeindruckendes Team von teilweise ehrenamtlichen ÄrztInnen, Hebammen, SozialarbeiterInnen, …usw., kümmert sich hier um die Gesundheitsversorgung von Frauen, die entweder keine Versicherung haben oder aus sonstigen sozioökonomischen Gründen nicht in Arztpraxen versorgt werden. Ein extrem problematischer Bereich ist für viele dieser Frauen das Thema Verhütung.

Der erschütterndste Fall an diesem Vormittag war für mich eine junge syrische Frau mit 19 Jahren, 2 Kindern im Alter von eineinhalb Jahren und 8 Monaten, bei der in der Untersuchung bereits die dritte Schwangerschaft festgestellt wurde. Die behandelnde Frauenärztin und die Hebamme erklärten mir anschließend, dass für viele dieser Frauen die einzige Chance, ungewollte Schwangerschaften zu verhindern, ein extrem niederschwelliger und kostenloser Zugang zu Verhütungsmitteln wäre. Und zwar egal, woher sie kommen! Das ist aber natürlich eine Finanzierungsfrage.

Ich habe erst vor kurzem im Landtag einen Antrag auf „kostenlose Verhütungsmittel für junge Menschen“ eingebracht. Inhaltlich wurde mir von der Regierung zwar Recht gegeben, aus Kostengründen wurde der Antrag dennoch abgelehnt.

Insofern verstehe ich Christine Nöstlinger sehr gut, denn es ist die Aufgabe von ehrlicher Frauenpolitik, nicht nur am Frauentag, große Töne zu spucken (und schon gar nicht nur zu bejammern, was ist), sondern jeden Tag, bei jeder politischen Entscheidung, tatsächlich Maßnahmen zu treffen, die die Ungerechtigkeiten mindern!

Frauen sind diejenigen, die von ungewollten Schwangerschaften immer noch in erster Linie betroffen sind, Frauen sind ökonomisch in allen Bereichen nach wie vor massiv benachteiligt und Maßnahmen, die genau dazu beitragen würden, einen Teil dieser Benachteiligung zu beheben, will man sich dann einfach nicht leisten?  Das geht nicht!! Auch die Frauen der Regierungsfraktionen, setzen hier bis jetzt leider kein gegenteiliges Zeichen. Über riesige Millionenbeträge wird (mehrheitlich von Männern! – siehe Verteilung im steir. Landtag, Gemeinderäten usw.) oft ganz locker entschieden. Wenn es um relativ kleine Beträge geht, die in erster Linie Frauen nutzen würden, ist der „Sparstift“ ganz schnell gezückt – leider zu teuer!

Dass der Frauentag Christine Nöstlinger „eigentlich nichts bedeutet“ wird wohl auch daran liegen, dass sie über viele Jahrzehnte immer wieder solche Beispiele erlebt hat. Doch sie endete heute in ihrem Interview ja auch mit dem Wunsch, dass Frauen gefördert werden mögen (und zwar auch  und im Besonderen von Männern, weil genau die ja im Moment immer noch sehr viel häufiger dort sitzen, wo es Kapazitäten zum Fördern gibt!)

Für mich persönlich ist der Frauentag ein Auftrag, mich weiterhin mit all meinen Möglichkeiten dafür einzusetzen, nicht nachzugeben, die Forderungen immer wieder zu erheben, Frauen und Männer dafür zu gewinnen und davon zu überzeugen, dass eine gerechte Verteilung uns allen nutzt! Solange bis der Frauentag, der Tag echter Gleichstellung auf allen Ebenen ist – dann kann man ihn auch gerne umbenennen…

Es war einfach notwendig…

….dieses Zeichen zu setzen!

Und ich will heute so vielen Menschen DANKE sagen, dass ich am Versuch alle aufzuzählen garantiert scheitern würde!

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Mein Dank gilt schlicht und einfach ALLEN, die in den letzten Wochen und Monaten durch offensichtliche, aber auch durch stillere Unterstützung, durch Spenden, durch Gespräche im Freundeskreis, in der Familie, mit ArbeitskollegInnen und natürlich auf der Straße an den Wahlwerbe – Standln und bei allen möglichen kreativen Aktionen, dazu beigetragen haben, dass es uns gestern gemeinsam gelungen ist, ein noch viel deutlicheres Signal für Zusammenhalt und Zuversicht zu setzen, als in der ersten Stichwahl!

Seit dem Mai war unser Motto „Mehr denn je“ und das gilt nun „Mehr denn je“! Mit dem gestrigen Tag geht zwar für uns alle eine unglaublich intensive und auch anstrengende Zeit zu Ende, aber das, wofür wir uns  nun so lange eingesetzt haben, weil wir einfach daran geglaubt haben, dass es durch Alexander Van der Bellen bestmöglich vertreten wird, gilt es nun gemeinsam weiter mit Leben zu erfüllen.

Die ÖsterreicherInnen haben gestern ganz deutlich gezeigt, dass sie sich weder von Wahlanfechtung, noch von Wahlwiederholungen und Verschiebungen davon abhalten lassen, wählen zu gehen! Die Walbeteiligung ist seit der ersten Stichwahl entgegen aller Prognosen sogar gestiegen. Und so viele Menschen haben in den letzten Monaten – ebenfalls ganz gegen den angeblichen Trend der „Politikverdrossenheit“ –  gezeigt, dass sie bereit sind, sich für ihre Überzeugung einzusetzen! Daran gilt es nun weiter zu arbeiten, die Menschen weiter zu ermuntern, sich zu beteiligen und „Politik“ als etwas zu erleben, dass sie selbst mitgestalten – jeden Tag durch ihr eigenes Reden und Tun.

Und in diesem Sinne möchte ich noch einmal mit den Worten von Alexander Van der Bellen vom Mai 2016 schließen:

„Es sind zwei Hälften, die Österreich ausmachen. Die eine Hälfte ist so wichtig wie die andere. Ich könnte sagen: Du bist gleich wichtig wie ich und ich bin gleich wichtig wie du.

Und gemeinsam ergeben wir dieses schöne Österreich.“

DANKE

„Papa, Du musst einfach den Van der Bellen wählen, einfach für mich, weil ich ja noch nicht darf!“

20161202_150300_resizedEigentlich wollte ich heute seit langem einmal noch einen Tag „Ruhe geben“, aber ein  Gespräch, das ich soeben mit einem Bekannten in unserem neuen „Kostnixladen“ geführt habe, hat mich nun doch animiert, auch heute noch einmal zur Wahl von Alexander Van der Bellen aufzurufen! Mein Bekannter war nämlich – zumindest bis vor unserem Gespräch – davon überzeugt, diesmal nicht wählen zu gehen – und das, obwohl seine Familie – unter anderem auch seine leider noch nicht wahlberechtigte Tochter, die ihn  begleitete, massiv auf in einwirken würden, VdB zu wählen. Er glaube nicht, dass man wirklich eine Wahl hätte, es bräuchte eine Revolution „von unten“ und der Bundespräsident könne ja eh nichts tun, das sei „Angstmache“ und solange es allen viel zu gut ginge, würde sich ohnehin nichts ändern….

Mich trifft es immer ganz besonders, wenn gerade Menschen, die  – so wie ich auch –  glauben, dass wir grundlegende Veränderungen in unserem System brauchen (und für so jemand halte ich ihn), ihr Wahlrecht nicht wahrnehmen wollen.

Denn es steht doch einiges auf dem Spiel und wer innerhalb der letzten eineinhalb Jahre ein wenig die Entwicklung unserer Gesellschaft und Politik mitverfolgt  hat, müsste eigentlich spüren, wie stark in dieser kurzen Zeit, viele Errungenschaften und Freiheiten unserer Demokratie jedenfalls schon in Bedrängnis gekommen sind.  Vor allem die immer größere Ungehemmtheit und Verrohung in den Gesprächen, hat mich in letzter Zeit zunehmend irritiert. Ich bin kein ängstlicher Mensch, aber wie stark sich Beschimpfungen, Abwertungen und Ausgrenzungen von sozial schwächeren Menschen in den letzten eineinhalb Jahren etabliert haben und mittlerweile schon fast zum Mainstream gehören, macht mir jedenfalls ernsthaft Sorgen.

Und eine Sichtweise, irritiert mich in diesem Zusammenhang besonders:

„Wir brauchen eh keinen Bundespräsidenten! Es geht doch auch so!“

Das, ist für mich schon ein Ausdruck der demokratiezersetzenden Wirkung, die die FPÖ seit Jahren durch das Sähen von Misstrauen und schüren von Unsicherheit und Ängsten und laufende Diskreditierung unseres demokratischen Systems, befeuert und die in einer Wahlwiederholung gemündet hat, ohne dass auch nur ein einziger Beweis für Manipulation gefunden wurde. Ob man einen Bundespräsidenten braucht oder nicht, steht morgen nämlich NICHT zur Wahl! Das kann man von mir aus gerne in Ruhe später einmal diskutieren.

Morgen wird auf JEDENFALL ein Präsident gewählt! Und auch diejenigen, die meinen wir bräuchten keinen, und auch diejeneigen , die eigentlich „ganz was anderes wollen“ und auch alle, die „beide nicht gut finden“ …..WERDEN EINEN von BEIDEN bekommen!

Auch ich konnte in den letzten Tagen und Wochen keine Konfrontation mehr anhören und der Neuigkeitsgehalt der medialen Ausschlachtung dieser Wahlwiederholung ging auch aus meiner Sicht immer mehr gegen Null. Aber nichts desto trotz steht meiner Meinung nach morgen eine Richtungsentscheidung an!  Ich empfinde die Richtung, die Norbert  Hofer und VertreterInnen der FPÖ seit Jahren einschlagen als spaltend, Demokratie zersetzend und vielfach menschenverachtend.

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass alle, die Extremismus jeglicher Art ablehnen und denen eine friedvolle, gerechtere, menschenwürdige, von Respekt getragene Weiterentwicklung unserer Demokratie wichtig ist, sich morgen aufraffen und Alexander Van der Bellen wählen sollten oder wie es die Tochter meines Bekannten ausdrückte: „Papa, Du musst einfach den Van der Bellen wählen, einfach für mich, weil ich ja noch nicht darf!“

„Believe that every single one of us can make a difference“ – kurze Chronik eines Nachwahltages

20161109_121555_resized_1Es war nicht einfach, heute Morgen meine Hoffnung und meinen Glauben aufrecht zu erhalten. Als meine Tochter mir sagte, dass sie nun wirklich Angst habe, was jetzt passieren würde. Und während ich versuchte, ihr und mir selbst zu erklären, dass wir keine Angst haben sollten, sondern gerade jetzt für alles eintreten sollten, was uns wichtig ist, wurde der Knödel in meinem Hals immer größer…

Kurz darauf las ich das Posting von Lopatka: „,Make America great again.‘ Mit dieser Ansage und dem Versprechen einer rigiden Zuwanderungspolitik gewinnt Trump battleground states!“ und fragte mich nicht lang, was er uns damit sagen will, weil es leider eh so klar ist…

Als ich dann zu Mittag am Südtirolerplatz dafür warb, Alexander Van der Bellen am 4. Dezember endgültig zum nächsten Österreichischen Präsidenten zu wählen, hatte ich eine unglaublich berührende Begegnung: Eine junge Frau kam mit folgenden Worten auf uns zu:“ Ja, ihr müsst unbedingt weiter machen, das ist so wichtig jetzt, gerade jetzt!! Ich hab heute in der Früh schon geweint….!“…und während dessen sind ihr wieder Tränen gekommen, sie hat sich einiges an Werbematerial mitgenommen und sich bei uns bedankt!

Es war ein Moment, in dem ich so stark wie selten zuvor spürte, wie wichtig es jetzt ist zusammenzuhalten, gemeinsam mit allen, die daran glauben, für Zusammenhalt, Solidarität, eine offen Gesellschaft, ein friedvolles, menschenwürdiges Miteinander einzutreten – mit aller Kraft und ohne jegliche Gewalt!

Am Abend las ich dann ein Posting einer ehemaligen Schulkollegin, die seit vielen Jahren in Amerika lebt: „This morning when the kids asked me “ What now“? I had to think for a while because I myself was not sure „what now?“ I finally told them that it is now up to us, more than ever, to stand up for the values we believe in. Stand up against bullies, fight for equal rights, be open minded, respectful and kind to each other. Believe that every single one of us can make a difference. Try to understand where people, who think so differently to us, come from and how we can all together make this world a better place ! Love trumps hate“

….und da ist meine Hoffnung, dass wir es schaffen können endgültig wieder

zurückgekehrt!

 

 

Selektives Schrumpfen und so weiter…

 

20161102_231022_resized_1Anlässlich des heutigen Titelbildes der Kleinen Zeitung noch ein paar Gedankenblitze von meiner Seite zum Thema „Gesundschrumpfen“:

Die  – angeblich ja erst am 14.11. bevorstehende – Veröffentlichung der Pläne von Landesrat Drexler, werden hier quasi nicht nur schon „vorveröffentlicht“ sondern gleichzeitig auch schon mal vorbeugend vorabhochgelobt. Die Schrumpfung soll also nun das Rezept für die Krankheiten des Gesundheitssystems sein und soll insgesamt bis 2035 umgesetzt werden (das sind also immerhin noch fast 20 Jahre!!!).

Nun ja, ich bin ja prinzipiell durchaus für gesunde Größen und das richtige Maß der Dinge auf allen Ebenen zu haben. Was mich aber heute ein bisserl irritiert hat, ist dass hier gerade in einem der essentiellsten Bereiche des menschlichen (Zusammen)Lebens begeistert von Gesundschrumpfen die Rede ist, während ich in meinen Gesundheitsgesprächsrunden, die ich mittlerweile in fast allen Regionen der Steiermark geführt habe, laufend mit Berichten von Ärztnnen, SozialarbeiterInnen, TherapeitInnen, Pflegefachkräften, …usw. konfrontiert bin, die mir schildern, welcher Mangel an ärztlichen und therapeutischen Angeboten, Vernetzungsmöglichkeiten,…usw. in ihrer Region besteht und wie gleichzeitig überbordende, bürokratische Erfordernisse immer schlimmer werden. Für die Bevölkerung heißt das logischerweise, dass die Versorgung teilweise als sehr mangelhaft und speziell für Menschen, die sich nicht jede Leistung auch „privat kaufen“ können, auch als sozial sehr ungerecht empfunden wird.

Was man da wie genau „gesundschrumpfen“ will erschließt sich mir nach wie vor nicht, denn auch für die angeblich 100 geplanten Zentren, wird man ÄrztInnen und alle Arten von Gesundheitsberufen brauchen, die ja jetzt schon vielerorts fehlen…aber dazu ein andermal mehr…

Während ich mir also die angebliche „Gesundschrumpfung“ der steirischen Gesundheitsversorgung eher rätselhaft bleibt, sind mir spontan eine paar andere Bereiche eingefallen, die in letzter Zeit Gegenstand der Berichterstattung waren und die bei mir das lebhafte Bedürfnis wecken, genau HIER mit dem „Gesundschrumpfen“ zu beginnen:

Shoppingscenterüberfluss in all seinen Ausprägungen (inklusive aktueller Anlassgesetzgebung, während sich kleine Betriebe damit herumschlagen müssen, dass man ihnen z.B. Holzschneidebretter verbieten will…), Energie – und Ressourcenverschwendung und dafür ständig wieder im „öffentlichen Interesse“ unbedingt notwendige Kraftwerksbauten, Einsatz jeglicher Art von Umweltgiften, die unsere Tier – und Pflanzenwelt langsam aber sicher ausrotten, Wirtschaftswachstum, das auf Kosten unserer Lebensgrundlagen und unseres sozialen Zusammenhalts geht..…uvm.

Ist es Zufall, dass in diesen Zusammenhängen noch nie von Gesundschrumpfen die Rede war? Wäre es am Ende im Sinne der Prävention eine der besten „Entlastungen“ für unser Gesundheitssystem, wenn man viele dieser Bereiche gesundschrumpfen würde?

Kann es sein, dass die Wahrnehmung dafür, wo es „gesund“ ist, dass etwas schrumpft, ein wenig selektiv ist…?

….ein Tag bei NEUSTART

Da ich vor einem Jahr als Grüne Landtagsabgeordnete auch die Rolle der Sozialsprecherin übernommen habe, wollte ich unbedingt konkrete Erfahrungen auch in unterschiedlichsten Bereichen sammeln.

Ursprünglich wollte ich – ähnlich wie meine Kollegin Regina Petrik aus dem Burgenland – ja eigentlich Praktika in verschiedenen Einrichtungen machen, die zumindest eine Woche dauern sollten. Es war aber dann ziemlich rasch klar, dass sich das im Moment mit meiner intensiven Landtagsarbeit nicht vereinbaren lässt. Also habe ich mich dafür entschieden zumindest ein bis zwei Tage Hospitation pro Monat in unterschiedlichen Institutionen zu machen, um wirklich konkreten Eindruck über die Arbeit, die dort geleistet wird und den Nutzen, den sie für die Gesellschaft hat zu gewinnen. Aber natürlich auch, um Probleme und Bedürfnisse zu erfahren und über zukünftige Perspektiven zu sprechen.

2016 habe ich im Schnitt tatsächlich pro Monat in einer Einrichtung hospitiert und aus meiner letzten Hospitation Ende Juli bei „Neustart“ in Leoben ist folgender Bericht entstanden, der auch von der Leiterin Susanne Pekler mit folgender Einleitung in der Neustart – Zeitung „Intern“ veröffentlicht wurde.

Sandra Krautwaschl ist seit Juni 2015 als Landtagsabgeordnete

der Grünen unter anderem für die Bereiche Gesundheit

und Soziales zuständig. Um zu sehen, wie verschiedene

Felder sozialer Arbeit zusammenwirken, entschied sie sich,

2016 regelmäßig in sozialen Einrichtungen zu hospitieren.

So auch bei NEUSTART, wo sie einen Tag verbrachte. Für

intern schildert sie ihre Eindrücke.IMG_1503

 

Seit Juni 2015 bin ich als Landtagsabgeordnete der Grünen unter anderem für die Bereiche Gesundheit und Soziales zuständig. Mir ist es in diesem Zusammenhang sehr wichtig, tatsächlich auch zu erleben und wahrzunehmen, wie verschiedensten Felder sozialer Arbeit zusammenwirken, wie die Arbeit abläuft, wirksam wird, welche Erfolge und welche Probleme es dabei gibt und natürlich vor allem einen Eindruck zu bekommen, wie sie in unserer Gesellschaft „erklärbar“ sind, welchen Nutzen wir alle daraus ziehen und welche politischen Forderungen sich letztlich daraus ableiten lassen. Mir war recht schnell klar, dass es – um diesen Ansprüchen gerecht zu werden – nicht reichen wird, einfach nur kurze Besuche zu machen und mit den jeweiligen Leitungspersonen zu sprechen. Daher habe ich mich für Hospitationen entschieden, die jeweils zumindest einen, teilweise auch 2 Tage dauern sollten.

Seit Beginn des Jahres 2016 mache ich regelmäßig Hospitationen in sozialen Einrichtungen und Institutionen. Letzte Woche stand NEUSTART in Leoben auf dem Programm. Hier arbeiten Hauptamtliche (SozialarbeiterInnen, PsychologInnen, Juristnnen,..usw.) zusammen mit Ehrenamtlichen in der Bewährungshilfe.

Menschen, die straffällig geworden sind, aber zumindest einen Teil der Strafe auf Bewährung erhalten haben, sollen darin unterstütz werden, möglichst rasch und gut (wieder) in ein Leben ohne Kriminalität und mit stabilen Strukturen zu finden.

Ich habe mir diese Einrichtung bewusst ans Ende des ersten halben Jahres meiner Hospitationen gesetzt. Viele Einrichtungen, in denen ich zuvor schon hospitiert hatte, arbeiten daran, dass benachteiligte Menschen eine Perspektive oder zumindest Unterstützung in ihrer Situation erhalten. Bei NEUSTART geht es um Menschen, die Grenzen unseres Rechtsstaates überschritten haben und dafür verurteilt wurden, aber auch um diejenigen, die sie damit geschädigt haben – das ist eine besonders schwierige Situation und die Klienten gehören wohl zu den am meiste stigmatisierten Personen in unserer Gesellschaft.

In einem sehr informativen Einführungsgespräch habe ich von der Leiterin Susanne Pekler eine Einführung über die aktuellsten und erfolgreichsten Alternativen zum herkömmlichen Strafvollzug erhalten. Vieles davon war für mich neu. Besonders beeindruckt hat mich die Möglichkeit der Sozialnetz –Konferenzen für jugendliche Täter, aber auch über andere Möglichkeiten wie Anti –Gewalt Trainings, elektronisch überwachten Hausarrest, Tatausgleich, gemeinnützige Tätigkeiten und Prozessbegleitung habe ich genauere Informationen erhalten.

Die erwähnten Ersatzmaßnahmen können natürlich nur bei minder – bis mittelschweren Delikten zur Anwendung kommen. Vieles davon war mir bisher in dieser Form nicht bekannt. Wiedergutmachung, Übernahme von Verantwortung und Reflexion über die eigene Tat und die Gründe, die dazu geführt haben, sowie das konkrete Hinarbeiten auf ein strukturiertes, stabiles Alltagsleben stehen bei all diesen Ansätzen im Vordergrund. Und das ist erfolgreich – statistisch belegt ist eine deutlich geringere Rückfallhäufigkeit, Verbesserung der Lebenssituationen und damit eine nachhaltig (sekundär)präventive Wirkung für die gesamte Gesellschaft.

In einer Gesellschaft, die immer noch bzw. in letzter Zeit wieder verstärkt von Vergeltungs – und Bestrafungsprinzipien geprägt ist, wird selten die Frage gestellt, wem diese Art des Umgangs mit Verfehlungen letztlich nutzt. Die Fachleute von NEUSTART haben mir hingegen ein eindrucksvolles Bild davon vermittelt, wie ihre Arbeit, nicht nur für die dort betreuten Menschen, sondern auch für die Allgemeinheit wirksam wird. Ich durfte nach Unterzeichnung der Vereinbarung über Verschwiegenheit und nach Absprache mit den KlientInnen bei mehreren Gesprächen und auch bei einem „aufsuchenden“ Kontakt in einer Anlaufstelle für sozial benachteiligte Personen („Wendepunkt“) dabei sein. Sowohl die einzelnen Biographien der TäterInnen, als auch der professionelle, empathische und lösungsorientiere Umgang der SozialarbeiterInnen mit den Menschen haben mich zutiefst beeindruckt. Auch für Vor – und Nachbesprechung der einzelnen Fälle war immer ausreichend Zeit eingeplant.

Nach den Erfahrungen bei vielen bisherigen Hospitationen (z.B. Kontaktladen, Arche 38, Tara, SOS Kinderdorf,…) ist mir bei NEUSTART vor allem bewusst geworden, dass hier oft Menschen eine Anlaufstelle finden, die schon in sehr benachteiligte Verhältnisse hineingeboren wurden und bei denen frühere soziale Unterstützung und Hilfsangebote nicht oder jedenfalls nicht im ausreichenden Maße vorhanden waren. Damit verbundene Perspektivenlosigkeit, frühe Gewalterfahrungen, Verwahrlosung, Missbrauch, Beziehungsabbrüche und oftmals daraus resultierenden psychischen Probleme sind Bestandteil der meisten Biographien. Der Fokus der Bewährungshilfe liegt bei NEUSTART allerdings immer auf der Stärkung von Eigenverantwortung, gewaltfreien Problemlösungsstrategien und Perspektiven in der Gegenwart bzw. Zukunft. Konkrete Aufgaben – und Zielvereinbarungen mit den KlientInnen helfen dabei, den Verlauf der Zusammenarbeit transparent und nachvollziehbar zu halten und das Erreichen (oder Nicht-Erreichen) konkreter Schritte für alle Seiten erkennbar zu machen.

Eine Erkenntnis, die ich sowohl aus meiner eigenen beruflichen Erfahrung als Physiotherapeutin, als auch in den unterschiedlichsten sozialen Einrichtungen immer wieder gewonnen habe, hat sich bei NEUSTART für mich eindrucksvoll bestätigt: Je früher Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Verhältnissen ausreichende, qualitätsvolle Hilfe bekommen, desto mehr nutzt diese Hilfe auch nachhaltig. Und desto größer ist immer auch der präventive Effekt. Damit könnten nicht nur Leid und Not der betroffenen Menschen, sondern logischerweise auch die Gesamtkosten für die Allgemeinheit auf ein reduziert werden. Das erfordert jedoch ein Denken und Planen über die „Einzeltöpfe“ hinaus.

Auf NEUSTART umgelegt heißt das auch: Täterarbeit ist immer auch „Opferprävention“ für die Zukunft!

Ich sehe es daher als eine wesentliche politische Aufgabe, dass vor allem die Zusammenarbeit von Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe untereinander, aber auch mit SpezialistInnen aus Bewährungshilfe und Opferschutz, wie sie bei NEUSTART geleistet wird, verstärkt, von einem grundsätzlich ressourcen – und lösungsorientierten Haltung getragen und mit ausreichenden Mitteln ausgestattet werden muss. Bewährungshilfe, Opferschutz und Prävention sind untrennbar miteinander verbunden und im Sinne eines bestmöglichen Einsatzes von (Steuer)Mitteln, muss auch in diesem Bereich die Prävention deutlich (und das heißt natürlich auch immer finanziell) gestärkt werden.

Aber nicht nur ausreichende finanzielle Ausstattungen sondern auch Erleichterung der Zusammenarbeit und Reduktion von bürokratischen Hürden sind wesentliche Rahmenbedingungen, die auf politischer Ebene hergestellt werden müssen.

Gesellschaftspolitisch haben Einrichtungen wie NEUSTART auch eine immens wichtige Aufgabe in der Bildung von Bewusstsein dafür, wo man ansetzen muss, um zukünftige Straftaten zu vermeiden bzw. zu reduzieren. Dafür wiederum spielt das auch medial transportierte Bild von Bewährungshilfe eine entscheidende Rolle – leider liest man darüber sehr wenig und wenn, oftmals nur Klischeehaftes.

Diese gesellschaftspolitisch enorm wichtige Arbeit, hat meiner Meinung nach mehr Aufmerksamkeit und Berichterstattung verdient- dient sie nicht zuletzt doch auch dem Abbau von Ängsten und Vorbehalten und hat damit jedenfalls großes Potential, den vielzitierten „Zusammenhalt der Gesellschaft“ zu stärken.

Die Weiterentwicklung und Bekanntmachung der bestehenden Alternativen zum herkömmlichen Strafvollzug – speziell für junge Menschen – nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen sehe ich als eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben für NEUSTART. Speziell natürlich in der Zusammenarbeit mit „Zuweisern“  (RichterInnen, Jusitzanstalten,..usw.), aber auch in der Kommunikation mit der Bevölkerung, sollte das Verständnis für den Allgemeinnutzen solcher Alternativen gestärkt werden. Auch und speziell die Verstärkung der Einbindung von professionell unterstützen Ehrenamtlichen stellt aus meiner Sicht einen sehr wichtigen Kommunikationsfaktor und eine große Chance für die Bewusstseinsbildung dar und die Akzeptanz in der Bevölkerung dar.

Ich bin sehr dankbar für den beeindruckenden Einblick, den ich durch diesen Hospitationstag bei NEUSTART bekommen habe und hoffe, dass ich bei einer weitere Hospitation vielleicht auch noch Maßnahmen wie Prozessbegleitung oder Anti – Gewalt – Training direkt kennen lernen darf.

Noch einmal – weil es jetzt mindestens genauso wichtig ist

cropped-mur-frc3bchlingsputz_047-1280x853.jpgDie heutige Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs hat viele Abgründe in Bezug auf die „traditionellen Abwicklung“ von Wahlvorgängen in Österreich als inakzeptabel erklärt. Eines ist aber auch ganz klar: Es waren sicher NICHT die WählerInnen, die etwas falsch gemacht haben!
Nicht das Ergebnis der Wahl steht in Frage. Die WählerInnen haben ihre Entscheidung getroffen. Es gibt keine Hinweise für irgendeine Art von Manipulation.
Ich glaube nicht, dass wir noch einen langen Wahlkampf brauchen. Ich glaube nicht, dass sich gefühlte 1000 Wahlkonfrontationen wiederholen sollten.
Ich glaube, dass die Entscheidung so schnell wie möglich umzusetzen ist. Die Verantwortung dafür, dass  „das Vertrauen für die Richtigkeit von Wahlen“  nun durch einen erneuten Wahlgang wieder hergestellt werden muss, haben sicher viele – die WählerInnen ganz sicher nicht!!!  Und darum ist der Ärger über einen neuerlichen Wahlgang und all seine Folgen nur zu verständlich.
Und dennoch: Eine Stimme für Hoffnung und Zusammenhalt abzugeben – ob zum 1., 2. oder 3. Mal – wird nach der heutigen VGH – Entscheidung umso wichtiger sein!!

Vom „Kleinreden und Großreden“

Die letzte Woche war geprägt von einem Thema, mit dem ich mich persönlich seit 2009 auch sehr aktiv beschäftige. In all diesen Jahren wurde ich bei den unzähligen Vorträgen und Lesungen aus meinem Buch „Plastikfreie Zone“ immer wieder gefragt: „Und was tut die Politik?“ – manchmal denke ich, dass diese Fragen, tatsächlich ein entscheidender Faktor dafür waren, dass ich irgendwann zum Entschluss gekommen bin, auch auf politischer Ebene, für meine Überzeugungen eintreten zu wollen.

Mit meinem Antrag zur Reduktion von „Plastikverpackungen“ wollte ich erreichen, dass die steir. Landesregierung zumindest prüft, welche Schritte in der Steiermark noch unternommen werden könnten, um Plastikverpackungen zu reduzieren. Außerdem sollte die Landesregierung den Bund zu schnelleren und konsequenteren Vorgangsweise in Hinblick auf die Vermeidung von Plastikverpackungen und Schadstoffen auffordern. Leider wurde unser Antrag in dieser Form von der Landesregierung nicht angenommen. Da ich das schon vor der Sitzung wusste, war es mir wichtig, wenigstens ein kleines, symbolisches (und praktisches) Zeichen zu setzen. Bis dato sind nämlich im Landtag Plastikbecher bzw. beschichtete Kartonbecher im Einsatz und egal aus welchem Material, sie werden jedenfalls nach Benutzung weggeworfen. Deshalb haben am Ende meiner Rede nun alle Abgeordneten und Regierungsmitglieder ein Glas mit (von meinem Mann eigenhändig!!!) eingravierten Namen geschenkt bekommen. Als kleinen Denkanstoß und weil Verhaltensänderungen einfach immer leichter fallen, wenn sie „positive konnotiert“ sind. Und weil ich halt einfach der Überzeugung bin, dass politisch tätige Menschen eine besondere Vorbildwirkung haben!

Neben der Frage „Was tut die Politik?“, gibt es noch eine zweite sehr häufig gestellte Frage, wenn es um die Vermeidung von Plastikmüll und Ressourcenverschwendung geht: „Was nutzt es schon, wenn „nur“ wir (oder nur Sie, oder nur ganz wenige,…) das machen? Diesmal hat sich diese Frage so geäußert, dass einige der Kommentare auf meine Gläseraktion, sich über die „Unwichtigkeit“ dieser Sache mokiert und sie als sehr wenig relevant erachtet haben. Ich nenne das für mich immer „Kleinreden“. Für manche Menschen scheint es eine beliebte Taktik zu sein, die eigenen möglichen Beiträge zu einer eigentlich gewünschten und unbestreitbar wichtigen Veränderung derartig „ klein zu reden“, dass man erst gar nicht damit anfangen muss. So nach dem Motto: Wenn nicht alle, warum dann ich?  Aus meiner Sicht eine der beliebtesten und auch fatalsten Rechtfertigungen für eigene Untätigkeit.

Auf der anderen Seite herrscht dafür oft das „Großreden“ vor… und zwar in doppeltem Sinne: Einerseits wird von regierenden PolitikerInnen sehr oft, „das, was eh schon passiert“ extrem „groß geredet“, so als könne man praktisch gar nicht „noch mehr“ tun! Andererseits werden aber auch gewisse, aktuelle „Systemrealitäten“ derartig „groß geredet“, dass selbst die politisch Verantwortlichen, am Ende so tun können, als wäre es schier unmöglich irgendetwas daran zu verändern. Diese Art des „Großredens“ hat für mich noch einen zweiten Namen. „Die Ohnmacht der Mächtigen!“

Am Ende sind dann ALLE jedenfalls NICHT SCHULD und können auch leider NICHTS TUN – und so ganz nebenbei fahren dann alle Ohnmächtigen gemeinsam unsere Welt an die Wand – um das mal wieder ein wenig pathetisch auszudrücken.

Dieses „Kleinreden“ und „Großreden“ führt meiner Meinung nach also zu nichts Vernünftigem. Und obwohl ich natürlich auch nicht glaube, dass rund 50 eingesparte Wegwerfbecher pro Landtagssitzung unsere Welt retten werden, halte ich es eben dennoch für wichtig, das zu tun!

Ich glaube prinzipiell, dass es für alle Probleme unserer Zeit, nichts Wichtigeres gib, als sie aktiv anzupacken. Mich dafür einzusetzen, dass unsere Lebensgrundlagen auf diesem wunderschönen Planeten nicht vernichtet werden, ist für mich das Wichtigste überhaupt. Für manche mag das „Kleinreden“ bequemer sein. Ich stehe dazu, dass hier einfach jeder einzelne, kleine Schritt zählt!