Menschenschutz

Die aktuellen Bilder von den Unwetterfolgen in Deutschland und mittlerweile auch in großen Teilen von Österreich haben etwas Apokalyptisches an sich. Szenen, die wir bisher maximal in irgendwelchen Weltuntergangsfilmen gesehen haben, spielen sich plötzlich ganz real direkt in unseren Nachbarländern ab. Alleine in Deutschland hat die Katastrophe bisher schon über 100 Menschen das Leben gekostet, über 1000 sind noch vermisst, ganze Landstriche verwüstet, Existenzen zerstört,…

Mir ist angesichts dieser menschlichen Tragödien sofort Helga Kromp – Kolb eingefallen. Die renommierte österreichische Klimawissenschaftlerin spricht schon seit Jahren im Zusammenhang mit dem Klima und seinen radikalen Veränderungen sehr oft von „Menschenschutz“ statt von Klimaschutz. Und angesichts der Bilder aus Deutschland bekommt dieser Begriff eine neue Dimension. Denn tatsächlich: dem Klima ist seine eigene „Veränderung“ reichlich egal, es hat auch keine Krise damit. Und es braucht keinen Schutz.

Es sind schlicht und einfach wir selbst (und andere Lebewesen), die Schutz und Sicherheit vor den dramatischen Folgen der Erderhitzung dringender denn je brauchen. Wenn wir nicht in Windeseile handeln, wird die Erderhitzung zur größten menschlichen Katastrophe aller Zeiten führen. Das sei all jenen besonders deutlich gesagt, die immer wieder die Frage stellen, ob die vielen notwendigen Maßnahmen, um diese Katastrophe noch zu verhindern, „sozial verträglich“ seien oder „wirtschaftlich tragbar“. 

Es gibt kein Grundrecht auf Bequemlichkeit

Ja, das werden sie sein müssen! Es liegt rein in den Händen der Politik, sie dementsprechend zu gestalten – und das muss es uns wohl wert sein, wenn wir unseren Kindern ein Recht auf Überleben auf diesem Planeten sichern wollen.

Mag sein, dass wir dabei ein wenig Bequemlichkeit einbüßen. Aber ein Grundrecht auf Bequemlichkeit gibt es nun mal nicht. Mag sein, dass wir die eine oder andere Gewohnheit verändern müssen. Aber ist das wirklich ein zu hoher Preis für den Schutz von Menschenleben, für den Schutz unserer Sicherheit?

Und hat nicht gerade die Politik die Aufgabe oder vielmehr die Pflicht, den Menschen reinen Wein einzuschenken, für die bestmöglichen Rahmenbedingungen zu sorgen und die notwendigen Veränderungen nach jahrzehntelanger Verzögerung endlich mit Volltempo voranzutreiben?

Noch immer nicht verstanden?

Aktuell kämpft unter anderem die SPÖ gerade wieder um jeden neuen Autobahnkilometer im ganzen Land. Werden es dieselben SPÖ (FPÖ, ÖVP) Politiker*innen sein, die dann die Katastrophengebiete besuchen, wenn die immer gewaltigeren Extremwetterereignisse irgendwo in Österreich zu Verwüstungen und Todesopfern führen? Und was werden sie den betroffenen Menschen sagen? Dass sie sich leider, leider nicht getraut haben, rechtzeitig gegenzusteuern? Dass ihnen einfach nichts Besseres einfällt, als weiterhin Autobahnen zu bauen, weil ja ohnehin in China und sonst wo auf der Welt alles noch viel schlimmer ist?

Auch im steirischen Landtag haben offenbar viele noch nicht verstanden, dass wir mit all diesen veralteten Rezepten, unsere Zukunft nicht retten werden. Das haben mir die vielen Debatten zum Umwelt – um Klimaschutz gerade auch in den letzten Sitzungen wieder sehr deutlich gezeigt.

Und dennoch bin ich so zuversichtlich wie nie zuvor. Denn immer mehr Menschen und auch immer mehr Wirtschaftsbetriebe haben verstanden! Sie wissen, dass wir nichts von allem, was wir Wohlstand nennen auf Dauer erhalten können, ohne unsere Lebensgrundlagen zu sichern. Sie wissen, dass wir diese nie dagewesene Krise nur gemeinsam bewältigen können. Und dass eine gerechte und lebenswerte Gesellschaft, kein „entweder Wirtschaft ODER Menschenschutz“ braucht, sondern ein „sowohl als auch“!

Jeden Tag lerne ich Menschen kennen, die diese Überzeugung in sich tragen. Das ist unglaublich motivierend und spornt mich täglich an. Ja, eine meiner wichtigsten Kraftquellen kommt von diesem Menschen und vom tiefen Wunsch, meinen Kindern und hoffentlich auch Enkelkindern irgendwann sagen zu können: „Ich hab mit so vielen anderen gemeinsam alles getan, um uns eine gute Zukunft zu ermöglichen – und es hat sich gelohnt!“

Mein ambivalentes Verhältnis zum Muttertag

Ich hatte immer schon ein ambivalentes Verhältnis zum Muttertag.

Als Kind hab ich total gerne diese kleinen Geschenke für meine Mama gebastelt, Gedichte auswendig gelernt und in der Früh mit meiner Schwester auf der Wiese einen großen Blumenstrauß gepflückt. Allerdings hab ich auch damals schon ganz deutlich bemerkt, wie wenig dieser eine Tag in Hinblick auf die restlichen 364 Tagen im Jahr für meine Mutter verändert. Denn auch in meiner Familie war schon für mich als Kind damals in den 70er und 80er Jahren deutlich sichtbar wie ungleich die Verteilung von Hausarbeit, Kinderbetreuung und damit natürlich auch finanzieller Absicherung zwischen meinen Eltern war.

Das hat mein Leben und durchaus auch meine politischen Einstellungen doch sehr geprägt. Ich weiß noch, dass ich schon als kleines Mädchen beschlossen habe, dass für mich nur eine gleichberechtigte Beziehung in Frage kommt –  auch wenn ich das damals sicher noch nicht so ausgedrückt habe.

Als ich selbst Mutter wurde, war mein Mann dann tatsächlich einer der Ersten in der Steiermark, die Väterkarenz in Anspruch nahmen. Und die gleichberechtigte und faire Verteilung von Haushalt, Kinderbetreuung, Erwerbsarbeit und Freizeit, war auch darüber hinaus für uns selbstverständlich.

Auch meine Kinder haben zu jedem Muttertag nett kleine Geschenke gebastelt, Gedichte aufgesagt und Frühstück gerichtet. An meiner Tochter, die jetzt 22 Jahre alt ist, sehe ich auch sehr deutlich, dass sich in Hinblick auf eine gleichberechtigten von Frauen in den letzten 40 Jahren doch einiges verbessert hat, selbstverständlicher geworden ist.

Dennoch zeigen gerade auch die Folgen der Pandemie wieder überdeutlich, wie schnell es geht, dass Frauen (nicht nur Mütter!), wieder in Rollen gedrängt werden, die ihnen Doppel – und Mehrfachbelastung wie selbstverständlich aufbürden und im schlimmsten Fall in eine Spirale aus unbezahlter Arbeit, prekären Jobs, schlechtem Gewissen, Überbelastung und gesundheitlichen Probleme drängen.

Deshalb bleibt mein ambivalentes Verhältnis zum Muttertag auch 2021 bestehen. Der Muttertag geht auf eine Initiative der amerikanischen Frauenrechtlerin Anna Jarvis zurück. Um ihre 1905 gestorbene Mutter zu ehren und auf Probleme von Frauen aufmerksam zu machen, forderte sie einen Festtag für alle Mütter.  

Wir sind zwar schon ein Stück weiter als damals, doch von echter Chancengleichheit sind wir auch in der westlichen Welt noch immer weit entfernt. Deshalb ist der Muttertag für mich  – neben dem netten Frühstück mit meinen Kindern – vor allem ein Auftrag, mich weiterhin für eine gleichberechtigte Gesellschaft und Repräsentanz von Frauen in der Politik einzusetzen. In diesem Sinne wünsche ich allen, die ihn feiern, einen schönen Muttertag.

Das Recht auf (Über)Leben

Durch einige Diskussionen in den letzten Tagen ist mir Jean Ziegler wieder mal eingefallen:

 „Jedes Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet.“, hat er schon vor unzähligen Jahren zum ersten Mal festgestellt.

Mittlerweile müsste man dieses Zitat wohl um einige andere Umstände erweitern: „Jedes Kind (und überhaupt jeder Mensch), das an Klimawandel bedingten Katastrophen stirbt, jedes Kind, das wegen der Zerstörung seiner Lebensgrundlagen stirbt, jedes Kind, das auf der Flucht vor Hunger stirbt, jedes Kind, das auf Lesbos an einem banalen Infekt stirbt, weil es keine Hilfe bekommt….. (die Liste ließe sich unendlich erweitern) wird ermordet!“

Die Klimakrise und ihre Folgen kosten schon seit Jahren unzähligen Menschen das wichtigste aller Menschenrechte – das (Über)Leben.

„Klimakrise“ ist in diesem Sinne auch nur ein Sammelbegriff für all die Krisen, die eine skrupellose Ausbeutung von Mensch und Natur mit sich bringt. Diese Ausbeutung in einem auf unendliches Wirtschaftswachstum ausgerichteten Verschwendungssytem, ist aktuell die Basis für das, was wir Wohlstand nennen. Mit der Betonung auf „nennen“! Denn, dass sich immer mehr Menschen auch bei uns damit nicht „wohl“ fühlen, ist auch ohne Corona schon immer deutlicher geworden.

Die Klimabewegung war und ist nicht nur eine Ökobewegung. Sie ist eine Bewegung, die den Anspruch hat soziale Gerechtigkeit und nachhaltiges Wirtschaften in einer intakten Umwelt zum Wohle aller Menschen unter einen Hut zu bringen. Das ist ungefähr die Hauptaussage des Grünen Grundsatzprogramms. Viele halten das für eine Utopie. Für mich ist es die Grundlage meines politischen Engagements.

2019 haben sehr, viele, vor allem junge Menschen gespürt, dass sie jetzt beginnen müssen, um diese „Utopie“ zu kämpfen. Demzufolge waren die Grünen Wahlerfolge 2019 wohl auch kein Zufall. Die Tatsache, dass für eine tiefgreifende Wende nur mehr 15 bis 20 Jahre Zeit bleibt, hat letztlich auch für mich den Ausschlag gegeben, einem Regierungsprogramm zuzustimmen, das in manchen Bereichen sicher die unterste Messlatte des für uns Tragbaren darstellt – in anderen allerdings die erstmalige Chance bietet, den notwendigen tiefgreifenden Wandel endlich konkret voranzutreiben.

Denn, was anderswo Menschenleben kostet, macht auch uns auch hierzu Ort nicht gesund und glücklich. Trotz materiellen Überflusses, spüren auch Hierzulande immer mehr Menschen, dass unter den herrschenden Rahmenbedingungen nicht einmal der materielle Teil unseres Wohlstandes haltbar sein wird – geschweige denn der soziale, gesundheitliche, zwischenmenschliche, umweltabhängige…. Doch eine neue Definition von Wohlstand, inklusive Bereitschaft, das bisher Gewohnte zu reduzieren, zu teilen oder zumindest nicht mehr weiter zu verschwenden, fällt auch trotz eines Jahrs Grüner Regierungsbeteiligung nicht vom Himmel. Genauso wenig wie die Erkenntnis, dass das Menschenrecht auf (Über)Leben und ein „Weiter wie bisher“ nicht vereinbar sein werden.

Das braucht ein bisschen mehr Durchhaltevermögen als ein knappes Jahr! Das braucht mehr Engagement von uns allen! Das braucht die Bereitschaft, die Verantwortung, die man übernommen hat, auch ernst zu nehmen, wenn es gerade ziemlichen Gegenwind gibt.

Vom Reden zum Tun – eine bessere Realität braucht viele gute Beispiele

IMG_20200421_140649_resized_20200421_020708589In den letzten Wochen haben unzählige Menschen und Initiativen begonnen, sich in Problemfeldern zu engagieren, die durch die Coronakrise noch stärker zum Vorschein gekommen sind, als bisher. Immer mehr Menschen konnten sich durch die Krise zum Beispiel einfach keine Lebensmittel mehr leisten. Für mich war und ist es daher enorm wichtig, hier auch in Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen und nachhaltig wirtschaftenden Betrieben, akut Hilfe zu leisten.

Gerade in den letzten Tagen bei teilweise über 25 Grad mitten im April und einer anhaltenden Trockenheit ist für viele Menschen wieder deutlich sichtbar und spürbar geworden, dass auch unsere Lebensgrundlagen (und damit die Basis für den Wohlstand aller Menschen) akut bedroht sind. Ich habe mich daher entschlossen, die kommenden Tage einem wichtigen Projekt des Naturschutzbundes zu widmen, das ich durch eine eigene Aktion unterstützen möchte.

Bei zahlreichen Spaziergängen in den letzten Wochen ist mir vor allem auch die unglaubliche Schönheit und Vielfalt unserer Pflanzen- und Tierwelt wieder einmal besonders bewusst geworden. Ich habe begonnen, Blüten zu fotografieren. Bei manchen wusste ich, wie sie heißen. Bei anderen nicht. Ich habe begonnen, mich über die Bezeichnung der Pflanzen, die mögliche Verwendung und ihren Stellenwert im Rahmen der Artenvielfalt zu erkundigen. Die Faszination der Artenvielfalt, der Abhängigkeit verschiedener Arten voneinander, dieses unglaublich ausgeklügelte System, wie alles miteinander zusammenhängt und in Summe die Basis für unser Leben darstellt, haben mich wieder einmal voll in ihren Bann gezogen. Gleichzeitig wurde mir – mit zunehmender Trockenheit – die Verletzlichkeit dieses Systems und damit die eigene Verletzlichkeit immer deutlicher gemacht. Denn wir sind einfach ein Teil der Natur.

Daraus ist nun die Idee entstanden, ein „Blütenquiz“ zu machen. Andere dazu zu ermuntern, sich einerseits ein wenig mit der Vielfalt unserer Pflanzenwelt zu beschäftigen und andererseits Naturschutz zu stärken:

Ich werde in den nächsten fünf Tagen auf Facebook und Instagram mehrere Blüten aus meiner Fotoserie veröffentlichen. Ihr könnte dann Tipps abgeben, wie die Pflanzen heißen und für die ersten 20 Tipps lege ich jeweils 5 € in einen Spendentopf, der in Naturpatenschaften beim Naturschutzbund fließen soll. Am Ende der Aktion werden die fünf Naturpatenschaften im Wert von jeweils 100 € unter den Leuten verlost, die Tipps abgegeben haben. Am Ende jedes Tages gibt es natürlich auch die Auflösung des Blütenquiz!

Genauere Infos zum Projekt „Naturpatenschaften“ erhaltet Ihr unter:

https://www.naturschutzbundsteiermark.at/naturpatenschaft.html

Ich freu mich auf Eure Unterstützung und natürlich würde ich mich sehr freuen, wenn viele von Euch die Idee der Naturpatenschaften im eigenen Umfeld weiterverbreiten und bewerben würden!

 

 

 

Klimaschutzfloskeln

IMG_20190203_104747_resized_20190203_112426048.jpgBundeskanzler Kurz sollte mal mit Greta Thunberg über seine Möglichkeiten sprechen …oder mit Hubert Patterer über das Gemeinwohl.

Letzteren möchte ich hier kurz und zugegebenermaßen absichtlich aus dem Zusammenhang gerissen zitieren. Im heutigen „Offen gesagt“ Kommentar meint der Chefredakteur der Kleinen Zeitung unter anderem:

“…Selbst in einer liberalen Rechtsordnung lässt sich das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen nicht absolut setzen. Es ist hochzuhalten, aber der sympathische freie Wille endet dort, wo er die Rechte und die Freiheiten der anderen fahrlässig kappt, etwa: die Unversehrtheit. Diese Balance zwischen dem Selbst und dem bonum commune, dem Wohl aller, ermöglicht das, was man ein zivilisiertes, rücksichtsvolles Zusammenleben nennt. Die Alternative ist der Wilde Westen der Selbstsucht!…“

Hubert Patterer wollte eigentlich nur seine Meinung zur aktuellen Impfpflichtdebatte kundtun. Er wollte mit diesen Worten nichts über den Klimawandel und den Raubbau an Natur und Ressourcen aussagen, seine tödlichen Folgen in vielen Teilen der Welt, die Folgen für unsere Nachkommen, für das „Gemeinwohl“ und die Kosten für die Allgemeinheit auch jetzt schon hier in der Steiermark. Er wollte wahrscheinlich auch keine Anspielung darauf machen, dass die „Selbstsucht“, wenn es um Verkehr, Konsum, Verschwendung,.. geht, global gesehen wohl schon Millionen Menschenleben gekostet hat oder wie viele Menschen auch hierzulande schon Opfer von Klimawandelbedingten Wetterextremen geworden sind….und doch hat er es aus meiner Sicht – wohl unbeabsichtigt, aber sehr treffend – getan!

Wenn „die Alternative der Wilde Westen der Selbstsucht ist“, dann „muss der liberale Staat den Menschen manchmal vor sich selbst schützen“ schlussfolgert Hubert Patterer! Allerdings wundert es mich in diesem Zusammenhang tatsächlich, dass dieser Schutz nicht massiv und umso lauter eingefordert wird, wenn es um die Bewältigung der größten Sicherheitskrise unserer Zeit geht und der Bundeskanzler unseres Landes sich mehr oder weniger ohnmächtig präsentiert.

Warum hat niemand mit entsprechender Empörung auf die aktuelle professionelle Floskelsammlung von Kanzler Kurz in Hinblick die seit Jahren und auch heuer wieder steigenden Treibhausgasemissionen in Österreich reagiert?

Tiroler Tageszeitung, 31.Jänner  2019

Der Kanzler verwies auch auf die Verteuerung der Spritpreise in Frankreich und der damit verbunden Proteste. Die Verteuerung der Spritpreise sei „eine tolle Maßnahme für die Reduktion des Treibgas-Ausstoßes“. Man müsse aber hinterfragen, was das für die Menschen bedeute, die auf das Auto angewiesen seien. „Das steht auf einem anderen Stern.“ „Ich will nichts relativieren“, aber Österreich wolle „die richtigen und nicht die falschen Maßnahmen wie Atomenergie oder unsoziale Maßnahmen“ setzen. Die Regierung sei nicht untätig, sondern „in diesem Bereich sehr aktiv“ und habe „sehr ambitionierte Vorhaben“. Man habe schon einiges auf dem Weg gebracht, so Kurz.

Das Titelblatt der heutigen Kleinen Zeitung gefällt mir in diesem Zusammenhang ja ausgesprochen gut: Greta und die schwachen Männer! Denn so zu tun als wären „unsoziale Maßnahmen“ das Einzige, was diese Bundesregierung im Klimaschutz „auslässt“ ist schon echt ein schwaches Zeichen für den smarten Kanzler dieser Republik. Denn auch die 16 jährige Greta fordert ganz klar „Klimagerechtigkeit“ und „soziale Maßnahmen gegen die Klimakrise“ und betont in ihrer so viel beachteten Rede ganz klar, dass „das Leiden von unendliche Vielen zugunsten des Profits ganz weniger“ endlich ein Ende haben muss! Ist Bundeskanzler Kurz etwas tatsächlich schon zu alt, um das zu verstehen? Und warum ist das der Kleinen Zeitung zwar ein Titelbild, aber keinen auch nur annähernd so kritischen Kommentar wert?

Denn die Klima – und Umweltkrise weiterhin nur mit Ausreden und Floskeln bekämpfen zu wollen, ist Gift für unser Gemeinwohl und unsere Lebensgrundlagen und damit das „Unsozialste“, was eine Regierung tun kann. So einfach ist das!

Deswegen kämpfe ich für eine Allianz derer, die das nicht hinnehmen, eine Allianz der „starken Frauen und Männer“, die Greta und all unseren Kindern zeigen, dass das Gemeinwohl über den Interessen weniger steht und dass wir eine lebenswerte Zukunft gestalten können!

Von arbeitslosen Millionären und anderen Absurditäten

IMG-20180114-WA0003_resizedDie verbalen Auswüchse von FPÖ Funktionären treiben im Moment ebenso menschenverachtende wie groteske Blüten. Während ein völlig enthemmter Innenminister Kickl, versucht, „das konzentrierte Halten von Flüchtlingen in Großquartieren“ in den täglichen Sprachgebrauch zu „integrieren“, kommen von Länderfunktionären der FPÖ kabarettreife Sprüche zur Abschaffung der Notstandshilfe.

Burgendlands LH Stellvertreter Tschürtz sowie der wahlkämpfende niederösterreichische Spitzenkandidat der FPÖ Udo Landbauer, meinten im Ö1 Interview diese Woche quasi einstimmig, wenn ein junger Millionär sich in die Arbeitslosigkeit „schummle“, wäre es doch irgendwie ok, auf sein Vermögen zuzugreifen!

Hmmmmm…..da war ich dann zwischen Lach – und Weinkrampf tatsächlich kurz hin und hergerissen – und ich war kurz davor den beiden zu schreiben: „Bitte, bitte, bitte stellt mir den jungen arbeitslosen Millionär vor, der sich in die Arbeitslosigkeit geschummelt hat und vom AMS Geld bezieht! Ich möchte den wirklich nur zu gerne kennen lernen, denn – sofern es ihn gibt – ist er wohl der Einzige seiner Art und extra seinetwegen die Notstandshilfe abzuschaffen, das ist dann ja wohl wirklich mal ein sensationelles Ereignis in Österreich! Veränderung eben – war ja auch angekündigt!

Doch leider ist die Sache ja bitterernst. Denn selbst wenn irgendwo in Österreich das oben beschrieben Unikat auftauchen sollte, trifft die Abschaffung des Arbeitslosenversicherungsschutzes in Form der Notstandshilfe in der „echten Realität“ wie wir wissen hauptsächlich Menschen um oder über 50, die ihr Leben lang gearbeitet haben, sich möglicherweise ein wenig erspart haben, eine Eigentumswohnung und ein Auto besitzen und nun von der Veränderungsregierung in die Sozialhilfe abgeschoben werden sollen. Mit allen negativen Konsequenzen: keine Anrechnung der bisherigen Tätigkeit und Verdiensthöhe, keine Anrechnung von Pensionszeiten mehr, Zugriff auf Erspartes und Eigentum, Anrechnung des Haushaltseinkommens (wurde bei der Notstandshilfe ja gerade von der letzten Regierung noch schnell abgeschafft – anscheinend nur, um dann gleich die gesamte Notstandshilfe abzuschaffen!),…

Langsam scheint es also manchen FPÖ Funktionären zu dämmern, dass sich hier ein Rundumschlag gegen Menschen anbahnt, die sie vorgeben zu vertreten und von denen sie – zumindest bisher – auch ganz gerne gewählt worden sind. Da packt man dann halt schnell mal die bewährten Ablenkungsstrategien aus: unmenschliche Rhetorik gegen AsylwerberInnen noch weiter verschärfen und neue Feindbilder erfinden. Für diesen Zweck sind „arbeitslose junge Millionäre“ allemal brauchbar – auch wenn es sie in echt gar nicht gibt….

Der ÖVP wiederum kann das relativ egal sein, denn das „sozial“ steht zwar noch irgendwo in einem alten Parteinamen, hat aber mit der „neuen ÖVP“ ohnehin kaum mehr was zu tun und überhaupt möchte man mit den Steuerzuckerln ja sowieso eine andere Klasse bedienen. Denn diese bekommen (in Form des Familienbonus) auch die HöchstverdienerInnen unserer Gesellschaft, egal ob sie ihn brauchen oder nicht – basta! Dass das Geld anderswo fehlt, müssen dann andere ausbaden….

Man könnte noch viel dazu schreiben und ich befürchte, es wird auch nicht ausbleiben, das in nächster Zeit häufiger zu tun. Wenn die schwarz – blaue Retroregierung in diesem Stil und mit dieser Stoßrichtung weitermacht und die angekündigten Schritte tatsächlich in dieser Form umsetzt, wird auch weiterer Protest dringend nötig sein. Ich selbst werde in der kommenden Landtagssitzung am Dienstag einen Antrag zur Beibehaltung der Notstandhilfe einbringen und bin natürlich schon sehr gespannt, wie sich die Parteien, die „sozial“ im Namen tragen (oder sich selbst jedenfalls gerne so benennen) dazu verhalten.

Aber für heute hätte ich abschließend noch einen bekannten Grünen Vorschlag zum Umgang mit arbeitslosen jungen Millionären: Da sie – schon aufgrund ihrer Jugend – ihre Millionen wohl selten alle selbst erarbeitet haben , wäre der Grüne Vorschlag einer moderaten Erbschaftssteuer hier sehr passend. Wir haben sie im Übrigen erst ab einer Million Erbe vorgeschlagen…also für Millionäre! Das hat die FPÖ im Wahlkampf noch als unfair bezeichnet und für die ÖVP kam ja Zugriff auf Eigentum ohnehin nicht in Frage… komisch, dass sich das jetzt in Bezug auf arbeitslose Menschen alles ganz anders anhört…

Retten, was zu retten ist!

20161016_194404_resized„Der grüne Auftrag“ auf der Titelseite und „Retten, was an Umwelt noch da ist“ auf Seite 2 der Samstagsausgabe der Kleinen Zeitung! Analysen zu Klimaschutz, Alternativenergie,..usw. und dazu schon unter der Woche eine Titelseite zum Thema „Plastik im Biomüll“, die sinkende Trennmoral im angeblichen Musterland der Mülltrennung, entsprechende Folgekosten und die in diesem Zusammenhang mehr als zweifelhafte Verwendung von „Bioplastik“. Und heute dann auch noch ein Artikel mit dem Titel „Hunger und Fettsucht: die neue Normalität?“

Die Diagnosen sind   – wenig überraschend – eindeutig: Wir können so nicht weitertun – zumindest nicht, wenn wir wollen, dass auch in 20, 30 Jahren in nennenswerten Teilen der Welt noch etwas übrig ist, was diesen Planeten lebenswert (oder sollte man besser überlebens-möglich sagen?) macht. Und schon gar nicht, wenn wir wollen, dass diese Lebensmöglichkeiten nicht nur einer immer kleiner werdenden Weltelite zur Verfügung stehen, während ein immer größer werdender Teil der Menschheit, (ver)hungert, im wahrsten Sinne des Wortes untergeht oder auf andere Weise gewaltsam umkommt.

Dass diese Diagnose allerdings längst auf allen Ebenen eine eindeutige und klare Behandlung bräuchte, dass immer mehr vom Selben, Wachstum um jeden Preis ohne Berücksichtigung von Nachhaltigkeit und Kostenwahrheit, von sozialen und ökologischen Konsequenzen, die „Rettung dessen, was an Umwelt noch da ist“ unmöglich machen, kommt leider nicht ganz so deutlich zum Ausdruck!

Wir brauchen endlich eine völlig andere Herangehensweise an „Wirtschaften“ und neue Zugänge zu dem, was wir „Wohlstand“ nennen. Wir brauchen tatsächlich einen „Grünen Auftrag“, in dem klar ist, dass Wirtschaft, die die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen bewirkt, niemals Wohlstand sichern kann!

Diverse Kommentare zu CETA (selbe Zeitung, selbe Woche) sprechen allerdings eine ganz andere Sprache. Sobald es um Handel geht, scheint es offenbar schon ein riesiger Erfolg zu sein, wenn das Senken von Umwelt –und Sozialstandards zumindest nicht ganz automatisch eintritt, sondern erst erstritten werden muss. Oder wenn sich aufgrund von „Markt – und Preislogik“ letztlich eben doch die Waren durchsetzen, die den größeren Schaden anrichten und alle, die da preislich nicht mithalten können, mit ihren nachhaltigen Produkten eben Pech gehabt haben…..schuld sind dann die „KonsumentInnen“ – deren „Macht“ allerdings schon jetzt sehr stark vom Geldbörserl abhängt und damit wie wir wissen mehr als ungleich verteilt ist…

Heutzutage unter all den bekannten Umständen Freihandelsabkommen abzuschließen, ohne die Absicherung bzw. Angleichung von Umwelt – und Sozialstandards auf einem Niveau zu gewährleisten, das zur Behandlung der oben erwähnten „Diagnose“ geeignet ist, ist meiner Meinung nach schlicht und einfach fahrlässig! Und wird jedenfalls nicht helfen, „zu retten, was an Umwelt noch da ist!“ – da nutzen alle Beschwichtigungsversuche wenig! Wir brauchen endlich Abkommen für eine „fairen, nachhaltigen Handel“ der auch unseren Kindern noch Wohlstand ermöglicht – auch wenn das vielleicht bedeutet, dass wir nach und nach unseren Überfluss reduzieren müssen.

Gleiche Chancen für alle Wege

Aus „Weißbuch Frauen Schwarzbuch Männer – Warum wir einen neuen Geschlechtervertrag brauchen“, Sibylle Hamann und Eva Linsinger, Deuticke, 2008:

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Beim „Mitmischen im Landtag“ haben SchülerInnen die Gelegenheit Abgeordnete der im Landtag vertretenen Parteien kennen zu lernen und zu befragen. Am Ende der 1-stündigen Veranstaltung dürfen dann auch die Abgeordneten jeweils eine Frage an die SchülerInnen richten, die diese nur mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten dürfen. Eine Frage, die ich dort schon öfter gestellt habe:„ Glaubt ihr, dass Männer und Frauen im  Moment schon die gleichen Chancen in unserer Gesellschaft haben?“  brachte bisher immer annähernd das gleiche Ergebnis. Relativ unabhängig von Zusammensetzung und Herkunft der SchülerInnengruppe hat sich eine deutliche Mehrheit bei „Nein“ gesammelt. Wenn man dann bei Einzelnen nachfragt, warum sie das glauben, beschreiben die Schülerinnen und Schüler meist ein diffuses Gefühl von Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis: In der Schule sei es ja noch ziemlich ok mit der Chancengleichheit, aber dann, im „richtigen Leben“… da sehe es dann doch ganz anders aus… Und dieses diffuse Gefühl täuscht leider nicht!

Echte Chancengleichheit existiert auch in Österreich im Jahr 2016 nur auf dem Papier. Frauen verdienen nicht nur nach wie vor eklatant weniger, sie besetzen auch eine absolute Minderheit an wichtigen Schlüsselpositionen in Politik, Wirtschaft und den meisten anderen Bereichen des öffentlichen Lebens, sie sind weitaus öfter von Armut betroffen, ihren speziellen Bedürfnissen wird in relevanten Bereichen (z.B. Medizin und Gesundheitsversorgung) noch immer nicht ausreichend Beachtung geschenkt, sie leisten nach wie vor den überwiegenden Großteil an unbezahlter Arbeit und nehmen alle damit verbundenen Nachteile für ihre eigene Altersvorsorge in Kauf, obwohl der gesellschaftliche Wert dieser Arbeit unbezahlbar ist…und so weiter und so fort…

Das alles ist spürbar! Auch wenn es die Schülerinnen und Schüler bisher noch weniger betroffen hat. Es ist Teil eines kollektiven Bewusstseins, das bei der Beantwortung dieser Frage ganz klar zum Ausdruck kommt. Die Realitäten dieser Chancenungleichheit schränken nicht nur die persönlichen Entwicklungspotentiale junger Menschen ein. Sie rauben auch unserer Gesellschaft Entwicklungschancen. Dass Menschen unabhängig von Geschlecht und Herkunft ihre individuellen Stärken auf ihrem persönlichen Weg einsetzen können, ist wohl das größte Potential, das eine Gesellschaft zur Verfügung hat. Dieses Potential (mindestens) für die Hälfte der Bevölkerung so massiv strukturell zu beschneiden, schadet letztlich nicht nur den Frauen. Es schadet der Gesellschaft insgesamt!

Wir brauchen also dringend Frauen und Männer, die sich der Logik eines zunehmend versagenden Systems entziehen. Und ja, dazu brauchen wir Frauenförderung: damit endlich ein chancengleicher Zugang zu allen Bereichen von Politik, Wirtschaft, Familie und Gesellschaft möglich wird und die darin liegende Potentiale und Chancen gehoben werden könne. Das ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch eine Frage der Vernunft!

Meine Tochter ist 17 Jahre alt und hat noch ein Schuljahr vor sich. Ich möchte, dass ihr alle Wege offen stehen. Genauso wie meinen Söhnen. Ich möchte, dass meine Kinder selbst entscheiden, welche Wege sie einschlagen wollen und können – nicht ihr Geschlecht!