Noch viel Luft nach oben!

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„Mama, ich hab das Gefühl, ich ersticke gleich…“, hat der Sohn einer Freundin unlängst beim Verlassen unseres Hauses gesagt (das sich nicht in der „Feinstaubhochburg“ Graz, sondern 13 km nördlich in Gratwein-Straßengel, Ortsteil Hörgas befindet).

Ich kenne das Gefühl! Es überkommt mich speziell in letzter Zeit regelmäßig, wenn ich mit dem Rad zum Bahnhof Gratwein fahre und noch ärger, wenn ich zurück fahre, denn da geht es bergauf, man atmet tiefer, braucht länger und hat das Gefühl, die Abgase dringen direkt in jedes einzelne Lungenbläschen vor. Das passiert einem sogar, wenn man mitten in der Nacht mit dem Fahrrad heimfährt – denn blöder Weise haben Feinstaub und Co. die Eigenschaft, sich in gewissen Lagen und unter bestimmten Witterungsumständen nicht „in Luft aufzulösen“….

Und ein weiteres Phänomen kehrt in diesem Zusammenhang ebenfalls wieder wie das Amen im Gebet:

Sobald aufgrund „ungünstiger Witterungslagen“ die Feinstaubtage ein gewisses Maß übersteigen, ereifern sich auch jene, die sich unter „günstigen Umständen“ herzlich wenig dafür interessieren und fordern Maßnahmen und Lösungen. Was unter „günstigeren Witterungsbedingungen“ gerne verdrängt wird, nämlich, dass die bisher getroffenen Maßnahmen nicht ausreichen, um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen, erstaunt offenbar manche immer wieder von neuem!

Dabei wurde mit der Novelle des Immissionsschutzgesetzes – Luft (IG-L) 2010 der Spielraum der Länder zur Umsetzung von Maßnahmen deutlich erhöht (für die diesbezügliche Gesetzgebung selbst ist der Bund zuständig). Hier nur eine kleine Auswahl der möglichen Maßnahmen:

  • Verkehrs- und Geschwindigkeitsbegrenzungen,
  • Parkraumbewirtschaftung,
  • Förderung des Austauschs von alten Festbrennstofffeuerungen mit modernen/sauberen Heizungsanlagen in Haushalt und Gewerbe,
  • Maßnahmen zur Reduzierung der Staubemissionen und -aufwirbelungen im Rahmen des Winterdienstes.

Man weiß, dass Feinstaub krank macht, vor allem bei Kindern die Häufigkeit von Atemwegserkrankungen massiv erhöht, dazu beiträgt, dass Menschen früher sterben…dennoch: die Forderung nach politischen Maßnahmen scheint bis jetzt nur dann entsprechend laut zu werden, wenn wir schon kurz vorm Ersticken sind.

Um das Problem nachhaltig in den Griff zu bekommen, braucht es aber auf allen politischen Ebenen ein „witterungsunabhängiges“ politisches Bekenntnis, die Gesundheit der Bevölkerung ÜBER andere Begehrlichkeiten zu stellen. Hier gibt es noch jede Menge zu tun: bestens ausgebauten und leistbaren, öffentlichen Verkehr, gut ausgebaute, sichere Radwege für den Alltagsverkehr, belebte Ortskerne, die zu Fuß gehen und Radfahren wieder attraktiv machen, vernünftige Raumplanung, gegebenenfalls auch autofreie Tage, Citymaut oder ähnliche Modelle…. All das forcieren Grüne PolitikerInnen in Bund, Land und Gemeinden ständig – und nicht alles stößt immer auf Gegenliebe – vor allem wenn das Wetter gerade mal „gut“ ist!

Auch in den Gemeinden können PolitkerInnen viel bewirken und natürlich auch „vorbildhaft“ sein und das tun, was jede(r) Einzelne tun kann: mit dem Rad zum Einkaufen, Bahnhof,..usw. fahren, öffentliche Verkehrsmittel benutzen, Fahrgemeinschaften bilden, …

Es wurde schon einiges getan in den letzten Jahren, aber es gibt meines Erachtens auch für die Politik noch viel Luft nach oben! Und letztlich entscheiden  natürlich immer auch Mehrheitsverhältnisse (und damit die BürgerInnen bei Wahlen!) darüber, ob und in welchem Ausmaß wirksame Maßnahmen und Rahmenbedingungen für Gesundheit und Umwelt tatsächlich vorrangig umgesetzt werden. Die politischen Möglichkeiten sind jedenfalls bei Weitem noch nicht ausgeschöpft – man muss sie nur auch wählen!

Weil wir es mit eigenen Augen sehen müssen….

img-20170209-wa0000_resized_1Auf Facebook habe ich in Bezug auf die Demos und das Protestcamp an der Mur unter anderem Folgendes gelesen:

„Diktat der Minderheit? Irgendwie kommt mir vor man akzeptiert nur was ins eigene Konzept passt. Widerstand mag ja schön sein, aber nicht immer demokratisch legitimiert. 5 Jahre juckte das Projekt niemanden und nun blockiert man gesetzlich geregelte Bauvorhaben. In Wirklichkeit zerstört sich gerade die Opposition der gewählten Parteien. Vielleicht realisiert man erst in Jahren wie der Rest der Menschen es sieht, aber im Moment interessiert nur das eigene Klientel. Unreif und unpassend…“

Als eine, die jetzt seit Montag täglich die Rodungen an der Mur beobachtet hat und weil wir uns als Grüne natürlich auch politisch (und zwar schon lange und immer wieder gegen dieses Projekt engagiert haben), kann ich das nicht so stehen lassen:

Mal ganz unabhängig von allem anderen, ist das Recht gegen oder für etwas, was die Mehrheit anders sieht, friedlich zu demonstrieren und zu protestieren für mich ein (bis jetzt) unantastbares Recht INNERHALB einer Demokratie!!! Auch wenn selbst diese Rechte ja im Moment vor unserem Innenminister nicht ganz in Sicherheit zu sein scheinen…alles andere ist für mich zutiefst antidemokratisch!

Aber nun zurück zur Mur:  Bei „gesetzlich geregelten Bauvorhaben“, die aufgrund der Umweltverträglichkeitsprüfung eigentlich negativ beurteilt worden und einzig und allein wegen des angeblichen „übergeordneten öffentlichen Interesses“ bewilligt worden sind, richtet sich mein Protest eigentlich gar nicht nur gegen das Projekt selber, sondern gegen genau diesen Vorgang! Wenn man dann noch die gigantische Werbemaschinerie von ESTAG und Konsorten, mit Unterstützung diverser Medien und  im Zusammenhang mit der Berichterstattungsverweigerung über die Fakten, die gegen das Kraftwerk sprechen und den Widerstand, den es schon davor gegeben hat und die Verweigerung der Volksbefragung berücksichtigt, obwohl über 10 000 Menschen dafür unterschreiben haben, die sehr wohl verstanden haben dürften, wofür sie da unterschreiben…dann ist Protest nicht nur legitim, sondern aus meiner Sicht sogar dringend notwendig!

Und noch ein Aspekt ist mir sehr wichtig:

Auch wenn es in Bezug auf dieses Murkraftwerk nicht mehr klappen sollte, die Zerstörung endgültig aufzuhalten – es gibt noch viel Natur, die in Zukunft sinnlos zerstört werden könnte!

Natürlich muss man (vor allem als politische Partei) letztlich akzeptieren, wenn es keine Rechtsmittel bzw. aufschiebende Mittel mehr gegen ein Projekt gibt, aber einerseits ist auch da aus meiner Sicht immer noch nicht alles restlich geklärt (und der Protest richtet sich auch gegen die Nicht Einhaltung diverser Auflagen) und andererseits richtet sich der jetzige Protest auch in die Zukunft – es geht auch um Bewusstseinsarbeit für zukünftige Pläne:

Diese Bilder vom leergefegten Murufer, den Tieren, die dort vertrieben und getötet werden, den Menschen die dort fassungslos stehen und sagen, sie hätten sich das nicht so „wild“ vorgestellt. Diese endgültige Zerstörung von Erholungsraum, natürlichem Feinstaubfilter, CO2 Speicher und Temperaturausgleich mitten in einer Gegend von Graz, wo es sonst wirklich nicht allzu viel Grünes und Schönes gibt, dafür aber sehr viel Verkehr, schlechte Luft, Lärm, …usw.(ich sage das aus Erfahrung, weil ich selbst dort jahrelang gewohnt habe) – das alles empfinde ich nach wie vor als grundlegend falsch! Wenn ich glauben könnte, dass dafür auf irgendeine andere Weise, irgendwas für Graz, die Steiermark oder diesen Planeten besser würde, dann könnte ich mich wenigstens damit trösten. Aber  dafür spricht leider gar nichts! Im Gegenteil! Wir brauchen dieses Kraftwerk NICHT!!!!! http://diepresse.com/home/3816155/

Und deshalb darf so was einfach nie wieder passieren!

Einer der Muraktivisten hat  mir heute inmitten dieser traurigen und teilweise ohnmächtigen Stimmung etwas total Schönes gesagt:“ Wir müssen jetzt da sein, um es mit eigenen Augen zu sehen, um es erzählen zu können und um für das nächste Mal zu lernen, dass wir noch viel früher und viel stärker dagegen auftreten müssen!“

Ja und so traurig es ist, auch für dieses Lernen alleine lohnt sich der Protest aus meiner Sicht schon!

Es war einfach notwendig…

….dieses Zeichen zu setzen!

Und ich will heute so vielen Menschen DANKE sagen, dass ich am Versuch alle aufzuzählen garantiert scheitern würde!

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Mein Dank gilt schlicht und einfach ALLEN, die in den letzten Wochen und Monaten durch offensichtliche, aber auch durch stillere Unterstützung, durch Spenden, durch Gespräche im Freundeskreis, in der Familie, mit ArbeitskollegInnen und natürlich auf der Straße an den Wahlwerbe – Standln und bei allen möglichen kreativen Aktionen, dazu beigetragen haben, dass es uns gestern gemeinsam gelungen ist, ein noch viel deutlicheres Signal für Zusammenhalt und Zuversicht zu setzen, als in der ersten Stichwahl!

Seit dem Mai war unser Motto „Mehr denn je“ und das gilt nun „Mehr denn je“! Mit dem gestrigen Tag geht zwar für uns alle eine unglaublich intensive und auch anstrengende Zeit zu Ende, aber das, wofür wir uns  nun so lange eingesetzt haben, weil wir einfach daran geglaubt haben, dass es durch Alexander Van der Bellen bestmöglich vertreten wird, gilt es nun gemeinsam weiter mit Leben zu erfüllen.

Die ÖsterreicherInnen haben gestern ganz deutlich gezeigt, dass sie sich weder von Wahlanfechtung, noch von Wahlwiederholungen und Verschiebungen davon abhalten lassen, wählen zu gehen! Die Walbeteiligung ist seit der ersten Stichwahl entgegen aller Prognosen sogar gestiegen. Und so viele Menschen haben in den letzten Monaten – ebenfalls ganz gegen den angeblichen Trend der „Politikverdrossenheit“ –  gezeigt, dass sie bereit sind, sich für ihre Überzeugung einzusetzen! Daran gilt es nun weiter zu arbeiten, die Menschen weiter zu ermuntern, sich zu beteiligen und „Politik“ als etwas zu erleben, dass sie selbst mitgestalten – jeden Tag durch ihr eigenes Reden und Tun.

Und in diesem Sinne möchte ich noch einmal mit den Worten von Alexander Van der Bellen vom Mai 2016 schließen:

„Es sind zwei Hälften, die Österreich ausmachen. Die eine Hälfte ist so wichtig wie die andere. Ich könnte sagen: Du bist gleich wichtig wie ich und ich bin gleich wichtig wie du.

Und gemeinsam ergeben wir dieses schöne Österreich.“

DANKE

„Papa, Du musst einfach den Van der Bellen wählen, einfach für mich, weil ich ja noch nicht darf!“

20161202_150300_resizedEigentlich wollte ich heute seit langem einmal noch einen Tag „Ruhe geben“, aber ein  Gespräch, das ich soeben mit einem Bekannten in unserem neuen „Kostnixladen“ geführt habe, hat mich nun doch animiert, auch heute noch einmal zur Wahl von Alexander Van der Bellen aufzurufen! Mein Bekannter war nämlich – zumindest bis vor unserem Gespräch – davon überzeugt, diesmal nicht wählen zu gehen – und das, obwohl seine Familie – unter anderem auch seine leider noch nicht wahlberechtigte Tochter, die ihn  begleitete, massiv auf in einwirken würden, VdB zu wählen. Er glaube nicht, dass man wirklich eine Wahl hätte, es bräuchte eine Revolution „von unten“ und der Bundespräsident könne ja eh nichts tun, das sei „Angstmache“ und solange es allen viel zu gut ginge, würde sich ohnehin nichts ändern….

Mich trifft es immer ganz besonders, wenn gerade Menschen, die  – so wie ich auch –  glauben, dass wir grundlegende Veränderungen in unserem System brauchen (und für so jemand halte ich ihn), ihr Wahlrecht nicht wahrnehmen wollen.

Denn es steht doch einiges auf dem Spiel und wer innerhalb der letzten eineinhalb Jahre ein wenig die Entwicklung unserer Gesellschaft und Politik mitverfolgt  hat, müsste eigentlich spüren, wie stark in dieser kurzen Zeit, viele Errungenschaften und Freiheiten unserer Demokratie jedenfalls schon in Bedrängnis gekommen sind.  Vor allem die immer größere Ungehemmtheit und Verrohung in den Gesprächen, hat mich in letzter Zeit zunehmend irritiert. Ich bin kein ängstlicher Mensch, aber wie stark sich Beschimpfungen, Abwertungen und Ausgrenzungen von sozial schwächeren Menschen in den letzten eineinhalb Jahren etabliert haben und mittlerweile schon fast zum Mainstream gehören, macht mir jedenfalls ernsthaft Sorgen.

Und eine Sichtweise, irritiert mich in diesem Zusammenhang besonders:

„Wir brauchen eh keinen Bundespräsidenten! Es geht doch auch so!“

Das, ist für mich schon ein Ausdruck der demokratiezersetzenden Wirkung, die die FPÖ seit Jahren durch das Sähen von Misstrauen und schüren von Unsicherheit und Ängsten und laufende Diskreditierung unseres demokratischen Systems, befeuert und die in einer Wahlwiederholung gemündet hat, ohne dass auch nur ein einziger Beweis für Manipulation gefunden wurde. Ob man einen Bundespräsidenten braucht oder nicht, steht morgen nämlich NICHT zur Wahl! Das kann man von mir aus gerne in Ruhe später einmal diskutieren.

Morgen wird auf JEDENFALL ein Präsident gewählt! Und auch diejenigen, die meinen wir bräuchten keinen, und auch diejeneigen , die eigentlich „ganz was anderes wollen“ und auch alle, die „beide nicht gut finden“ …..WERDEN EINEN von BEIDEN bekommen!

Auch ich konnte in den letzten Tagen und Wochen keine Konfrontation mehr anhören und der Neuigkeitsgehalt der medialen Ausschlachtung dieser Wahlwiederholung ging auch aus meiner Sicht immer mehr gegen Null. Aber nichts desto trotz steht meiner Meinung nach morgen eine Richtungsentscheidung an!  Ich empfinde die Richtung, die Norbert  Hofer und VertreterInnen der FPÖ seit Jahren einschlagen als spaltend, Demokratie zersetzend und vielfach menschenverachtend.

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass alle, die Extremismus jeglicher Art ablehnen und denen eine friedvolle, gerechtere, menschenwürdige, von Respekt getragene Weiterentwicklung unserer Demokratie wichtig ist, sich morgen aufraffen und Alexander Van der Bellen wählen sollten oder wie es die Tochter meines Bekannten ausdrückte: „Papa, Du musst einfach den Van der Bellen wählen, einfach für mich, weil ich ja noch nicht darf!“

„Tun Sie kritisch mit!“

Diese Aufforderung kam gestern von LH Schützenhofer zu Beginn der Präsentation des Gesundheitsplans 2035. img-20161115-wa0000_resizedUnd ja, das wird ganz sicher notwendig sein, wenn man den „Gesundheitsplan 2035“ tatsächlich nach den Bedürfnissen der Bevölkerung ausrichten und nicht als „Lückenfüller“ für vergangene Versäumnisse oder gar als „Kürzungsprogramm“ in einem der essentiellsten Lebensbereiche verwenden will.

Entscheidend wird aus meiner Sicht sein, dass nicht nur – wie bei der gestrigen Präsentation in der Stadthalle – beeindruckende Bilder von der „Gesundheitsversorgung der Zukunft“ inszeniert werden, sondern der teilweise schon jetzt bestehende dramatische Mangel an Gesundheitsdiensten und (Kassen) ÄrztInnen  vor allem  in den Regionen ab sofort ernsthaft und für die Bevölkerung nachvollziehbar und sichtbar bekämpft wird!!

In den Gesundheitsgesprächsrunden, die ich im letzten Jahr in allen steirischen Regionen geführt habe, sind sehr viele Bereiche sichtbar geworden, wo schon seit längerer Zeit dringender Handlungsbedarf herrscht:

Wenn es teilweise schon seit Monaten und Jahren nicht gelingt, Kassenstellen für Allgemeinmedizin und FachärztInnen nach zu besetzen, kann man den Menschen verständlicherweise schwer glaubhaft  machen, dass sich die Versorgung in ihrer Region durch die Schließung/Zusammenlegung von Abteilungen oder Spitälern, einen Telefonarzt oder wie auch immer geartete Gesundheitszentren verbessern wird. Denn egal wie die Gesundheitsversorgung organisiert wird: Es braucht dazu jedenfalls IMMER Menschen – in diesem Fall eben ÄrztInnen, Pflegefachkräfte, TherapeutInnen, SozialarbeiterInnen, Hebammen,…usw.

Woher diese nun alle plötzlich kommen und vor allem, warum sie sich dann auf einmal in den bis jetzt über Jahre „ausgedünnten“ Regionen niederlassen sollten, konnte mir bis jetzt niemand erklären.

Wenn es beispielsweise  keine Logopädin, keinen niedergelassen Facharzt für Psychiatrie, keine psychosozialen und psychiatrischen Angebote für Kinder und Jugendliche gibt und mobile Pflegedienste aufgrund von sehr unterschiedlicher Handhabung der Gemeinden teilweise für sozial schlechter gestellte Menschen kaum erschwinglich sind und dann auch noch Kassenstellen für HausärztInnen gestrichen werden, fragen sich die Menschen in den betroffenen Regionen berechtigter Weise, ob sie BürgerInnen 2.Klasse sind!

Schließlich zahlen sie dieselben Sozialversicherungsbeiträge wie diejenigen, die zufällig im Zentralraum leben. Und schließlich ist nicht die Bevölkerung für die politischen Versäumnisse der letzten Jahre und Jahrzehnte verantwortlich. Ärztearbeitszeitgesetz, schlechte Ausbildungsbedingungen für AllgemeinmedizinerInnen, Mangel an vielen Gesundheitsberufen, schlechte Leistbarkeit mobiler Dienste,…uvm. sind ja nicht vom Himmel gefallen – das ist „politikgemacht“!

Auch ich bin nach einem Jahr intensiver Beschäftigung mit der Thematik und unzähligen Gesprächen mit Menschen, die seit vielen Jahren und Jahrzehnten im Gesundheitsbereich arbeiten, davon überzeugt, dass es Veränderungen nun dringend braucht! Doch die vielfach beschworene „Beteiligung“ ist bis jetzt noch nicht bei den Menschen angekommen! Was bisher präsentiert wurde, gibt noch keine Antwort auf die vielen offenen Fragen und Bedenken der Bevölkerung und der vielen Menschen, die im Bereich der Gesundheitsversorgung arbeiten.

LH Schützehofer hat bei der gestrigen Präsentation dazu aufgefordert „Tun Sie mit! Tun Sie kritisch mit!“ Das werden wir tun! Und ich werde es mir dabei ganz bestimmt nicht leicht machen. Einfach wäre es, schlicht jegliche Veränderung abzulehnen, darauf zu beharren, das alles beim Alten bleiben muss. Ich bin allerdings der Überzeugung, dass es Handlungsbedarf gibt – und das kann man bei aller Kritik an der pompösen Inszenierung und den vielen offen Fragen in diesem Fall den Verantwortlichen doch zugutehalten: Der Wille zur Veränderung scheint da zu sein und auch das Bewusstsein, das man ETWAS tun muss. Nur WIE diese „ETWAS“ aussehen soll, ist im Moment halt noch sehr unklar…

Ich habe in meinen Gesundheitsgesprächsrunden unglaublich viel zu hören bekommen, was aus Sicht der Menschen verändert werden muss:

Abbau des überbordenden bürokratischen Aufwands und der Hürden für Zusammenarbeit und Vernetzung der Gesundheitsberufe zum Beispiel, Anreize für Lehrpraxis, damit sich junge MedizinerInnen wieder zunehmend für das Fach „Allgemeinmedizin“ interessieren, Berücksichtigung von längeren Wegstrecken in den Regionen, einfache und auch wirtschaftlich sinnvolle Bedingungen für Gruppenpraxen (Teilen einer Kassenstelle!), finanzielle Anreize für MedizinerInnen, sich in den Regionen nieder zu lassen, Verbesserung von Quantität und Qualität der Ausbildung für AllgemeinmedizinerInnen und sonstige Gesundheitsberufe…usw.

Ein Satz, der ausnahmslos ÜBERALL gefallen ist, war: „Sie sind die erste, die uns fragt, wie wir die Sache sehen!“ –  und das sagt tatsächlich viel! Bis jetzt ist LR Drexler die vielbeschworene Politik der Einbindung noch schuldig geblieben – bis jetzt war es eher „Verkündigungspolitik“!

Die nun geplanten Regionalkonferenzen werden zeigen, ob die Pläne flexibel genug sind, den Bedarf der Menschen zu berücksichtigen, ob wirklich eine sozial und regional gerechte Versorgung ( @Schickhofer: „…egal, ob am Land oder in der Stadt, die Menschen  müssen immer den gleichen Zugang zur Gesundheitsversorgung haben…) herauskommt…

Ob die Pläne flexibel sind und an die tatsächlichen Bedürfnisse der Menschen in den Regionen angepasst werden, wird letztlich darüber entscheiden, ob die Bevölkerung sie mehrheitlich mitträgt. Und ob man die ExpertInnen vor Ort in die Planung einbezieht wird darüber entscheiden, ob es auch zukünftig Menschen gibt, die in den Regionen der Steiermark ihren Gesundheitsberuf ausüben wollen.

Ich habe in den letzten Monaten sehr oft gehört: Man müsste uns nur so zusammenarbeiten lassen, wie es möglich wäre und nicht daran hindern, dann hätten wir das beste Primärversorgungsmodell der Welt!“

Es braucht jetzt sofort ein klares politisches Bekenntnis (und das heißt letztlich Anreiz und auch finanzielle Unterstützung) für den Ausbau einer zukunftsfähigen Primärversorgung, die alle notwendigen Bereiche abdeckt! Und wenn es da nicht gelingt, die Rahmenbedingungen mit Krankenkassen und Ärztekammer endlich so herzustellen, dass sie dem Gemeinwohl und nicht nur den Eigeninteressen dienen, ist letztlich alles andere obsolet!

In diesem Sinne, werde ich mich sehr gerne, kritisch in den angekündigten Dialog einbringen und den Plan eine Chance geben, sich unter Einbindung der Menschen zukunftsfähig weiterzuentwickeln (wie ja heute mehrfach angekündigt)  – was dazu freilich hilfreich wäre: Wenn man zum Beispiel aus der Kleinen Zeitung nicht ständig mehr erfahren würde, als der zuständige Landesrat angeblich schon weiß….. 🙂

 

„Believe that every single one of us can make a difference“ – kurze Chronik eines Nachwahltages

20161109_121555_resized_1Es war nicht einfach, heute Morgen meine Hoffnung und meinen Glauben aufrecht zu erhalten. Als meine Tochter mir sagte, dass sie nun wirklich Angst habe, was jetzt passieren würde. Und während ich versuchte, ihr und mir selbst zu erklären, dass wir keine Angst haben sollten, sondern gerade jetzt für alles eintreten sollten, was uns wichtig ist, wurde der Knödel in meinem Hals immer größer…

Kurz darauf las ich das Posting von Lopatka: „,Make America great again.‘ Mit dieser Ansage und dem Versprechen einer rigiden Zuwanderungspolitik gewinnt Trump battleground states!“ und fragte mich nicht lang, was er uns damit sagen will, weil es leider eh so klar ist…

Als ich dann zu Mittag am Südtirolerplatz dafür warb, Alexander Van der Bellen am 4. Dezember endgültig zum nächsten Österreichischen Präsidenten zu wählen, hatte ich eine unglaublich berührende Begegnung: Eine junge Frau kam mit folgenden Worten auf uns zu:“ Ja, ihr müsst unbedingt weiter machen, das ist so wichtig jetzt, gerade jetzt!! Ich hab heute in der Früh schon geweint….!“…und während dessen sind ihr wieder Tränen gekommen, sie hat sich einiges an Werbematerial mitgenommen und sich bei uns bedankt!

Es war ein Moment, in dem ich so stark wie selten zuvor spürte, wie wichtig es jetzt ist zusammenzuhalten, gemeinsam mit allen, die daran glauben, für Zusammenhalt, Solidarität, eine offen Gesellschaft, ein friedvolles, menschenwürdiges Miteinander einzutreten – mit aller Kraft und ohne jegliche Gewalt!

Am Abend las ich dann ein Posting einer ehemaligen Schulkollegin, die seit vielen Jahren in Amerika lebt: „This morning when the kids asked me “ What now“? I had to think for a while because I myself was not sure „what now?“ I finally told them that it is now up to us, more than ever, to stand up for the values we believe in. Stand up against bullies, fight for equal rights, be open minded, respectful and kind to each other. Believe that every single one of us can make a difference. Try to understand where people, who think so differently to us, come from and how we can all together make this world a better place ! Love trumps hate“

….und da ist meine Hoffnung, dass wir es schaffen können endgültig wieder

zurückgekehrt!

 

 

Selektives Schrumpfen und so weiter…

 

20161102_231022_resized_1Anlässlich des heutigen Titelbildes der Kleinen Zeitung noch ein paar Gedankenblitze von meiner Seite zum Thema „Gesundschrumpfen“:

Die  – angeblich ja erst am 14.11. bevorstehende – Veröffentlichung der Pläne von Landesrat Drexler, werden hier quasi nicht nur schon „vorveröffentlicht“ sondern gleichzeitig auch schon mal vorbeugend vorabhochgelobt. Die Schrumpfung soll also nun das Rezept für die Krankheiten des Gesundheitssystems sein und soll insgesamt bis 2035 umgesetzt werden (das sind also immerhin noch fast 20 Jahre!!!).

Nun ja, ich bin ja prinzipiell durchaus für gesunde Größen und das richtige Maß der Dinge auf allen Ebenen zu haben. Was mich aber heute ein bisserl irritiert hat, ist dass hier gerade in einem der essentiellsten Bereiche des menschlichen (Zusammen)Lebens begeistert von Gesundschrumpfen die Rede ist, während ich in meinen Gesundheitsgesprächsrunden, die ich mittlerweile in fast allen Regionen der Steiermark geführt habe, laufend mit Berichten von Ärztnnen, SozialarbeiterInnen, TherapeitInnen, Pflegefachkräften, …usw. konfrontiert bin, die mir schildern, welcher Mangel an ärztlichen und therapeutischen Angeboten, Vernetzungsmöglichkeiten,…usw. in ihrer Region besteht und wie gleichzeitig überbordende, bürokratische Erfordernisse immer schlimmer werden. Für die Bevölkerung heißt das logischerweise, dass die Versorgung teilweise als sehr mangelhaft und speziell für Menschen, die sich nicht jede Leistung auch „privat kaufen“ können, auch als sozial sehr ungerecht empfunden wird.

Was man da wie genau „gesundschrumpfen“ will erschließt sich mir nach wie vor nicht, denn auch für die angeblich 100 geplanten Zentren, wird man ÄrztInnen und alle Arten von Gesundheitsberufen brauchen, die ja jetzt schon vielerorts fehlen…aber dazu ein andermal mehr…

Während ich mir also die angebliche „Gesundschrumpfung“ der steirischen Gesundheitsversorgung eher rätselhaft bleibt, sind mir spontan eine paar andere Bereiche eingefallen, die in letzter Zeit Gegenstand der Berichterstattung waren und die bei mir das lebhafte Bedürfnis wecken, genau HIER mit dem „Gesundschrumpfen“ zu beginnen:

Shoppingscenterüberfluss in all seinen Ausprägungen (inklusive aktueller Anlassgesetzgebung, während sich kleine Betriebe damit herumschlagen müssen, dass man ihnen z.B. Holzschneidebretter verbieten will…), Energie – und Ressourcenverschwendung und dafür ständig wieder im „öffentlichen Interesse“ unbedingt notwendige Kraftwerksbauten, Einsatz jeglicher Art von Umweltgiften, die unsere Tier – und Pflanzenwelt langsam aber sicher ausrotten, Wirtschaftswachstum, das auf Kosten unserer Lebensgrundlagen und unseres sozialen Zusammenhalts geht..…uvm.

Ist es Zufall, dass in diesen Zusammenhängen noch nie von Gesundschrumpfen die Rede war? Wäre es am Ende im Sinne der Prävention eine der besten „Entlastungen“ für unser Gesundheitssystem, wenn man viele dieser Bereiche gesundschrumpfen würde?

Kann es sein, dass die Wahrnehmung dafür, wo es „gesund“ ist, dass etwas schrumpft, ein wenig selektiv ist…?